Abschrift der Vereinschronik von 1941 bis 1945

 

1.02.1941        Die Ortsfachgr. Imker Berchtesgaden gibt ihren Mitgliedern bekannt:

 

Für die Frühjahrsfütterung der Bienenvölker sind von dem Hr Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft für das kommende Frühjahr 2,5 Kg vergällter Zucker pro Volk für den Gesamtbereich des Großdeutschen Reiches zur Verfügung gestellt worden. Damit ist Vorsorge getroffen, daß alle Bienenvölker über die schwierige Frühjahrsmonate hinwegkommen und sich entwickeln können, um für die Bestäubung der Obstblüten und der Ölfrüchte eingesetzt zu werden. Die Durchführung der Zuckerbelieferung geht in derselben Weise wie in Vorjahr vor sich, das heißt sie erfolgt durch die Ofgr. der die einsehen Mitglieder angeschlossen sind, und die ihre Mitglieder von der Ausgabe des Zuckers unterrichten.

Leider gibt es aber auch heute noch Bienenzüchter, die nicht organisiert sind, also der Rfgr. Imker durch ihre Untergliederungen nicht angeschlossen sind. Auch für dessen Bienenvölker kommt diese Zuckerlieferung in Frage. Diese Imker müssen sich nun sofort unter Angabe ihrer Volkszahl und gewünschte Zuckermenge, die aber höchsten 2,5 Kg pro Volk beträgt, an die für ihren Wohnort zuständige Ofgr. Imker Berchtesgaden wenden, die dann das weiter veranlaßt. Notwendig ist, daß diese Meldung an die Ofgr. Imker sofort erfolgt, damit später bei der Zückerbelieferung keine Schwierigkeiten entstehen.

 

 

27.02.1941      Warnung: Bienenzüchter- Obacht, Milbenseuche

 

Durch die Untersuchung wurde festgestellt, daß im Landkreis Traunstein die Milbenseuche ausgebrochen ist. Es ist daher die Pflicht des einzelnen Bienenzüchters, daßer zur gegenwärtigen Zeit seine Bienen bei den nun beginnenden Ausflügen beobachtet. Fallen bei diesen Ausflügen viele Bienen zu Boden, krabbeln mit gespreiztem Flügeln umher und beginnen vom Boden aus hochzufliegen, fallen aber dabei immer wieder zurück auf den Boden, so ist dies ein untzügliches Zeichen von dem Auftreten der Milbenseuche. Von diesen Völkern sind sofort 20-25 Bienen zur Untersuchung und die veterinärpolizeiliche Anstalt in Schleißheim zu senden.

 

 

April 1941       2te Sonderaktion:


Sie legt der deutschen Imkerschaft die selbstverständliche Ablieferung von 2 Kg Honig je Volk auf. Die Herabsetzung von 3 Kg auf 2 Kg schafft die Voraussetzung dafür daß diese Aufgabe auch als unbedingte Pflichtabgabe empfunden und durchgeführt wird. Die Abgabe von 2 Kg Honig zur Ernährungversorgung nach bes. Richtlinien des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft hat unbedingt zu erfolgen. Die durchaus erwünschte Lieferung des bisherigen Kundenstammes des Imkers aus dem freien Ernteergebnis über diese 2 Kg hinaus soll erst vorgenommen werden, wenn die Pflichtaufgabe zur Sonderaktion erfüllt ist. Im Übrigen gelten zur Durchführung der 2 Sonderaktion die Richtlinien des Vorjahres.

 

 

2.7.1941          Der Hr. Reichskommisar für Preisbildung hat mit Erlaß 2 7 – 8981/41 die Erhebung des Jahrespauschalunkostenbeitrags genehmigt

 

Danach sollen Nichtmitglieder, für die Zuteilung desselben an die für sie zuständigen u. sie beliefernde Ofgr. Einen Jahrespauschalunkostenbeitrag von RM -.20 je Bienenvolk zahlen.

Den Bienenzüchtern des Hr. Reichsministers für Ernährung u. Landwirtschaft um eine zweckvolle u. bienengemäße Durchführung des Willens des Führers, den Zucker zur Bienenfütterung nur vergällt zu liefern, sind nunmehr abgeschlossen. Die Vergällung erfolgt in der Weise, daß zu 100 kg Verbrauchszucker, 25 Gramm Octosan gegeben werden.

Octosan selbst ist ein Zuckerabkömmling: Sein Bittergeschmack verleidet dem Menschen den Genuß, wird aber von den Bienen nicht wahrgenommen.

Für 1941 erhält der Imker zusätzlich 2,5 kg vergällten Zucker, aber ohne Verbilligung. Da es sich um eine großzügige zusätzliche Übergangszuweisung handelt, kann dieser Frühjahrszucker nicht verbilligt abgegeben werden.

 

 

1941                Wechsel in der Vorstandschaft

 

Wegen Beförderung u. damit verbundener Versetzung von Berchtesgaden nach Villach tritt der bisherige Vorsitzer der Ofgr. Imker, Hr. Fr. Knoll von seinem Amt als Vorsitzer zurück. Zum Vorsitzer berufen wird Hr. J. Stocker v. Vogelrast, Gemeine Salzberg

 

 

1941                An Stelle des im Kriege gefallenen bisherigen Kassenverwalters der Ofgr. Berchtesgaden, des Hr. Kamerknecht wird Seb. Knoglinger zum Kassenwart berufen.

 

9. 1941           Für die Zuckerversorgung der Bienenwirtschaft

 

Im Herbste 1941 u. Frühjahr 1942 werden folgende Richtlinien getroffen:

1.     Der für die Herbstfütterung 1941 u. Frühjahr 1942 benötigte Zucker wird auf insgesamt 7,5 kg festgesetzt.

2.     Der Zucker wird im Gegensatz zur Zuckerausgabe im letzten Frühjahr unvergällt zur Verfügung gestellt.

3.     Der Zucker ist für das ganze Jahr, also nicht nur für die Einwinterung, sondern auch für die Auswinterung, die Durchlanzung u. sonstige Reiz und Notfütterung bestimmt.

Im ganzen Reich setzt ein auffallend großen Bienensterben ein. Die Imker sind in der großen Mehrzahl der Ansicht, daß an diesem großen Massensterben einzig u. allein das Vergällungsmittel Octosan die Schuld trägt.

Dazu bemerkt der Hr. Reichsminister für Ernährung u. Landwirtschaft in seinem Erlaß v. 2. Juli 1941 = Die Aufhebung der Vergällung mit Octosan ist keine Anerkennung der Klagen von Imkern als Schadensursache des diesjährigen Bienensterbens. Der von Prof. Dr. Wirz vom Hauptamt für Volksgesundheit der Reichsleitung gebildete Ausschuß für Vergällungsfragen ist auf Grund sorgfältiger Nachprüfung der eingegangenen Klagen eindeutig zu dem Ergebnis gekommen, daß neben der ungünstigen Wetterlage insbesondere die Nosema die Ursache des Bienensterbens war.

 

 

5.5.1942          3. Sonderaktion

 

Die Reichsfachgr. Ruft zur Abgabe von 2 Kg Honig je Bienenvolk als Sonderaktion 1942/43 auf. Das Soll der Aktion muss erfüllt werden.

Dem Abgabesoll wird die Zahl der Bienenvölker zugrunde gelegt, für die Winterzucker bezogen worden ist. Wechseln Völker den Besitzer, so ist der nun Besitzer für die Abgabe verantwortlich.

Der bisherige Kundenstamm darf erst nach voller Erfüllung der Ablieferungspflicht beliefert werden.

Deshalb ist schon der Honig der ersten Ernte für die Sonderaktion bereit zu stellen.

Bei Nichterfüllung der Abgabe gilt:

a)     Ausschluß aus der Zuckerverbilligung

b)     Ausschluß von den Förderungsmaßnahmen insbesondere auch von den Zuschüssen.

c)     Belieferung nur mit 3 kg statt 7,5 kg Zucker je Bienenvolk

 

 

8.6.1942          Größere Honigabgabe:

 

Reichsfachgr. Imker hält in Leipzig kriegswichtige Besprechung ob. Kickhöffel führt dabei aus:

Die gegenwärtigen Verhältnisse fordern vom einzelnen Imker, daß über das bisherige Ablieferungssoll von 2 kg Honig je Volk hinaus noch ein 3. Kilo Honig abgegeben wird. Dieses 3. Kilo wird mit einem Prämiensatz von 2 RM bedacht, so daß es also mit 4 RM bezahlt wird. Mit dieser Ehrengabe beantwortet jeder Imker die Bombenangriffe der Feinde.

 

 

17.6.1942        Eine bedeutungsvolle Anordnung:

 

Über die Sonderaktion hinaus hat es sich als notwendig erwiesen, eine weitere, stärkere Ablieferung von Honig zu fordern, um die mit der Sonderaktion gestellten Ziele zu erreichen. Zu diesem Zwecke hat die Hauptvereinigung der deutschen Eierwirtschaft folgende Anordnung getroffen:

                                                           §1.

Zur Förderung der Ablieferung von Honig werden Prämien an die Imker gewährt.

                                                           §2.

Die Prämie wird demjenigen Imker gezahlt, die nachweisen, daß sie im Rahmen der Sonderaktion der Rfgr. Imker mehr als 2 Kg Honig je Bienenvolk an die Erfassungsbetriebe abgeliefert haben.

                                                           §3.

Die Prämie beträgt 2.- RM je Kg, das über die für die Sonderaktion vorgeschriebene Mindestmenge von 2 Kg je eingewintertes Bienenvolk abgeliefert wird.

                                                           §4.

Auszahlung der Prämie erfolgt nach näherer Weisung der Hauptvereinigung durch die Ortsfachgruppen.

                                                           §5.

Zuwiderhandlung werden nach den Bestimmungen bestraft.

                                                           §6.

Die Anordnung tritt mit sofortiger Wirkung vom 1. Mai in Kraft

 

 

1.9.1942

 

Durch Anordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft, der Finanzen und des Inneren (RGBL 1 Nr. 92 S.540) ist die bisherige wegen der Milbenseuche angeordnete Ausfuhrsperre für die Landesfachgruppen Imker Donauland und Südmark aufgehoben. Für die Landfachgruppe Alpenland bleibt die Sperre vorläufig noch bestehen.

 

 

9.1942            Zuckerlösung und Einwinterung:

 

Alle Imker, die ihr volles Soll erfüllt haben, erhalten je Volk zur Einwinterung 12 Pfund Zucker zugewiesen. Der auf diese 12 Pfund schon bezogene Frühjahrszucker muß in Anrechnung kommen. Imker, die böswillig nicht abliefern, sind der Reichsbauernschaft über den Kreisfachwart zu melden. Sie haben keinerlei Ansprüche auf Zuckerrückvergütung, Tabaklieferung u. sonstige Vergütungen u. haben zu gewärtigen, daß auch mit allen sonstigen Mitteln gegen sie vorgegangen wird.

 

 

5.2.1943          Aus der Dienstbesprechung der Ofgr. Imker folgen wichtige Hinweise für alle Imker:


Die Honigsonderaktion bleibt in alter Höhe bestehen, 2 kg je Volk. Die Herbstzuckerzuteilung erfolgt wiederum in Höhe von 6 kg je Volk, dafür im Frühjahr 1944 noch 1,5 kg je Volk. Die Reichregierung hat also in alter Höhe Bienenzucker gewährt, darin liegt die höchste Anerkennung für die wirtschaftliche Bedeutung der Imkerei. Jeder Ausbau der Imkerei, d.h. Vermehrung der Volkbestände, ist dringen abzuraten, da der Herbstzucker 1943 nur in derselben Höhe gewährt wird, wie im Herbst 1942. Es können also Vermehrung der Völker bei der Futter-Zuteilung keine Berücksichtigung finden.

 

 

1.4.1943         Bekanntmachung der Landesfachgruppe Imker Bayern:

                        Totentafel:


Die Ehrungen unserer verstorbenen Imkerkameraden in der Totentafel wird von jetzt an ausgesetzt, die große Würdigung u. Ehrung unsere gefallenen Imkerkameraden bleibt späterer Zeit vorbehalten.

 

 

4.1943             Bekanntmachung u. Neuaufnahme v. Mitgliedern:

 

Die Vermehrung der Bienenvölker ist auf wenige Sonderfälle begrenzt. Die Imker dürfen nicht damit rechnen, für eine größere Anzahl von Bienenvölkern Zucker für den Herbst 1943 zugeteilt zu erhalten, als sie im Herbst 1942 eingewintert hatten. Es können daher nur folgende Personen als neue Mitglieder aufgenommen werden:

 

a)     Imker die bereits im Herbst 1942 eingewintert hatten u. für diese Bienenvölker schon über die zuständige Ofgr. Imker Zucker erhielten.

b)     Neuanfänger der Bienenzucht die die Bienenzucht aus wirklicher Lust u. Liebe betreiben wollen, können dann erstmals Mitglieder aufgenommen werden, wenn durch die Ofgr. Im Zuge des Ausgleichs innerhalb der Ofgr. Zucker für die Völker gesichert ist.

 

4.1943             Zuckerzuteilung betr.

 

Wenn ein Imker Völker verkauft, so hat er dem Käufer grundsätzlich auch den Anspruch auf die künftigen Zuckerzuteilungen abzutreten, oder – falls der Zucker schon geliefert ist, diesem dem Käufer zu übergeben.

 

8.8.1943         Honigabgabe

 

Die allgemeine Lage erfordert im Einsatz für den totalen Krieg eine sofortige Änderung der Bestimmungen über Sonderaktionen u. Zuckerlieferung zwecks Erhöhung des Honigaufkommens. Zur Sicherung dieses Aufkommens für die Bombengeschädigten gelten daher Haushaltsjahr 1943/1944 folgende Bestimmungen:

1.a) Es sind je Bienenvolk 3 kg Honig abzugeben.

1.b) Der Berechnung des Solls der Honigabgabe wird die Zahl der Bienenvölker, für die zur Einwinterung 1942 Zucker bezogen worden ist, zugrunde gelegt

1.c) Die Die Ablieferung von Honig außerhalb unserer Sonderaktion an Führsorgestellen, auch als unentgeltliche Spende, kann nicht auf die Sonderaktion angerechnet werden.

1.d) Im übrigen gelten für die Erfassung, Sammlung etc. die bisherigen Bestimmungen.

2. Preis und Prämienanordnung vom 17.7.1942 (siehe Seite 130 der Chronik) bleiben wie bisher. Bei weiterer dringend erwünschter Abgabe von Honig auf Grund der Prämienordnung steigt der Durchschnittsbetrag für das Kilo Honig

                        bei 4 kg auf 3 RM

                        bei 5 kg auf 3,20 RM

                        bei 10 kg auf 3,60 RM

Dazu tritt der Zuschlag für Sonderhonige von -.30 RM je /: Bienenvolk :/ Kilo Honig.

 

 

Ende 12. 1943            Landwirtschaftsrat Schreiber schwer verunglückt

 

Der nicht nur im Imkerkreis Obb., sondern weit über unsere Grenzen hinaus bekannte amtliche Fachberater beim Regierungspräsidenten v Obb., Hr Rud. Schreiber in München erlitt Ende Dezember 1943 auf einer Dienstfahrt einen schweren Unfall u. mußte mit einem komplizierten Schädelbruch in eine Klinik eingeliefert werden.

Herr Landwirtschaftsrat Schreiber, der so oft u. so erfolgreich bei uns in Versammlungen wirkte, sprach Hauptlehrer Komposch in Unterstein zugleich im Namen aller Imker des Bercht. Landes sein tiefstes Bedauern aus u. wünschte demselben eine recht baldige, erfolgreiche Wiedergenesung.

 

 

27.1.1944        Neuregelung der Zuchtrichtung Sklenar „Stamm 47“ im deutschen Zuchtwesen:

 

Mitteilung J 87/43-44 der Rfgr. Imker

Zur Sicherung unseres Zuchtverbandes sind folgende Maßnahmen erforderlich geworden:

1.     Der am 8.1.1939 auf der Sitzung des Beirats für für das Zuchtwesen in Leibzig für Stamm K. Sklenar 310 vereinbarte Standart ist nichtig geworden.

2.     Völker der Zuchtlinie „47/E/P“ werden unter dieser Bezeichnung nicht als Reinzuchtvölker anerkannt. Sie sind daher nicht zu kören.

Die Rfgr. Imker sah sich zu dieser Neuregelung gezwungen, da gemäß der Erfahrung u. Feststellung der Hauptkörstelle u. der Körmeister bei den rund 5 Jahre leufenden Körung der Zuchtvölker des Zuchtstammes K. Sklenar 310, sowie den Nachzuchten davon das Merkmals u. Eigenschaftsbild dieses Zuchtstammes außerordentlich unbeständig ist. Dies gelte auch für alle vom Züchter im Laufe dieser Zeit herausgebrachten sog. Linien, wie 47/21, 47 Edelstein, 47 E-sen usw. Die neuerdings mit bes. Anweisung verbreitete Zuchtrichtung „47/EP“ ist insbesondere hinsichtlich der Drohnen von größter Mannigfaltigkeit u. bereits nach den wenigen bisher beantragten Körungen als nicht minder uneinheitlich zu bezeichnen. Nach Gutachten der Hauptkörstelle überschreitet sie selbst die grenze der K-Rasse.

Damit war die Vielgestaltigkeit der „Sklenarbiene“ ins Unerträgliche gesteigert u. jede Standortfestlegung gesprengt worden. Ferner hat der Urzüchter immer wieder Zuchtvölker erstellt u. mit höchsten Angreifungen Königinnen abgegeben, die bei der Körung weder nach Abstammung, Rassigkeit u. Leistung die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt haben. In mehreren Fällen mußte die Völker pflichtgemäß abgekört werden, so auch die „47 EP“, die der K-Rasse nicht entsprechen u. in der Nachzucht weitgehend aufspalten.

Der Zuchtstamm „Sklenar“ scheidet als Vergleichsstamm in allen Hochzucht- u. Leistungsprüfungen schon deshalb aus, weil der Urzüchter die Lieferung der hierfür erforderlichen 20 Königinnen mit Schreiben vom 25.2.1943 abgelehnt hat mit der Begründung, daß er wegen entsetzlicher Überbürdung mit Schreibarbeit von der Zucht abstand nehmen mußte.

 

 

21.2.1944        Zucker und Sonderaktion 1944

 

Zuckerlieferung, Zuckerverbilligung u. Sonderaktion geschehen 1944 in sinngemäßer Anwendung der Bestimmungen des Vorjahres. Es gibt wieder 7,5 kg pro Volk, davon 6 kg im Herbst 1944 und 1,5 kg im Frühjahr 1945. Das Ablieferungssoll beträgt je Volk 3 kg.

 

 

18.3.1944        In Traunstein starb


der früher viele Jahre in Berchtesgaden Als Hauptsalzamtskassier beim Salzbergerwerk tätig gewesene, seit kurzem schwer erkrankte Hauptkassenverwalter a.D. Johann B. Schmoll im hohen Alter von 76 Jahren. 40 jahre hat Schmoll den Berg=Hütten=u. Salzwerken in Immenstadt, Badenwöhr, Sonthofen, Bad Reichenhall treu gedient. Außerdem hat er sich auf turnerischen, schöngeistigem, alpinen, bienenzüchterischen u. obstbaulichen Gebiete Verdienste erworben-.Die Beerdigung fand am 21.3.1944 im Waldfriedhof zu Traunstein statt. Mit dem Tode Schmolls hat ein reiches u. gesegnetes Leben seinen Abschluss gefunden.Als ehemaliger Vorstand des Reichenhaller Bienenzuchtvereins u. Obmann für das Beobachtungswesen in Berchtesgaden Diente er in unserem Verbande in Vorbildlicher Treue. Er war mit über die Grenzen unseres Bezirkes hinaus als hervorragender Imker bekannt u. geachtet u. hat sich in seinem langen Leben viele dankbare Freunde erworben, die ihn in guter Erinnerung behalten werden.

 

 

21.3.1944        Landwirtschaftsrat für Bienenzucht Hr. Schreiber

 

In München teilt mit, daß das Luftgaukommando 7 mit Schreiben vom 21.3.1944 Az 41 i – Ia ap. 3-13 damit einverstanden ist, wenn Hauptlehrer i.R. Komposch in Unterstein zur Prüfung der Gefahren, die die Vernebelung bei den Bienen mit sich herbringt, die erforderliche Beobachtungen anstellt u. darüber zur gegebener Zeit dem Luftgau=Kommando entsprechende Mitteilung macht.

 

 

21.4.1944        Durch die veterinärpolizeiliche Anstalt in Schleißheim

 

wurde bei einem Bienenvolk des Hauptlehrers i.R. Komposch in Unterstein das Vorhandensein der gefürchteten Milbenseuche festgestellt. Das befallene Volk wurde sofort abgeschwefelt. Eine Anordnung der Begasung der übrigen Völker  erging seitens der zuständigen Behörden nicht. Auch die sonst übliche Sperre wurde nicht angeordnet.

 

 

13.6.1944        Franz Stadler, Zollobersekretär in Schellenberg, scheidet freiwillig aus dem Leben

 

Was mag den guten u. eifrigen Imker veranlasst haben an sich selbst Hand anzulegen? Wir wissen es nicht mit Bestimmtheit zu sagen.

Am 10.4.1944 erhielt ich (Komposch) von ihm seinen letzten an mich gerichteten Brief u.a. schrieb er : Ich bin ja mit meinen Nerven nach Aussagen des Facharztes 95 % herunten. Und die Nieren machen mir auch immer noch schwer zu schaffen. Darum habe ich ja meinen Stand u. die Zucht sehr einschränken müssen. Das ist ein Jammer u. für mich sehr tragisch, komme nicht darüber hinweg.

Stadler geht dann in seinem Briefe über die Behandlung Sklenars u. seines Stammes „47 EP“ u. meint dazu a.a. Ich habe Nerven und Gesundheit der guten Zuchtsache restlos geopfert….wo ist der Dank geblieben? Man vergrämt alle, die mit dem Leben bei der Sache sind. Mit diesem Bewusstsein werde ich einmal ins Grab steigen. Idealismus wird zertreten u. schnöde Gewinn= u. Eifersucht triumpfiert.

Denken wir schließlich auch noch an Stadlers Ausschlussaus der Ofgr. Imker u. damit aus allen Untergliederungen,- eine Maßregelung, die Ihm bitter weh tat u. die er nie vergessen konnte, schon deswegen nicht, weil er den Ausschluß Als ein großes ihm zugefügtes Unrecht betrachtete – wir verstehen damit vielleicht eher, wieso Stadler zu dem unseligen Schritte kam. Der Welt für immer „Lebe wohl“ zu sagen.

Mag dem nun sein wie es wolle: Die Ofgr. Imker Berchtesgaden Wird ihrem ehemaligen Imkerfreund dauernd ein ehrendes Gedenken bewahren.

            Er ruhe in Frieden!

 

 

7.1944             Volksvermehrung und Zuckerzuweisung


Eine Völkervermehrung ist in diesem Jahr nicht möglich, da für die Zuckerlieferung wie im Vorjahr die Völkerzahl der vorjährigen Einwintzerung maßgebend ist. Eine Vermehrung. Eine Vermehrung von auch nur 5% kann nicht stattfinden.

/: Bekanntmachung des RDKI. Abteilung Rfgt. Imker :/

 

 

1944                Zucker zur Herbstauffütterung


In Ergänzung der Mitteilung J 91/43 – 44 v. 21.2.1944 weise ich darauf hin, daß für die Zuckerlieferung die vorjährige Völkerzahl maßgebend ist. Es gibt wieder 7,5 kg Zucker je Volk, davon 6 kg im Herbst 1944 u. 1,5 kg im Frühjahr 1945 (Wiederholt!)

 

 

11. 1944         Unsere Verbandszeitschrift:


Nun ist auch unsere Verbandszeitschrift „Die Bayr. Biene“ ein Opfer des Krieges geworden. Sie erschien erstmals als Segen des Münchner Vereins für Bienenzucht am ersten Januar 1879 unter dem Namen: Münchner Bienenzeitung“.1895 ging sie auf den oberbayr. Kreisbienenzuchtverein über, wurde am 1.1.1909 an den Landesverein bayr. Bienenzüchter abgetreten. Am 1.1.1919 ändert sie ihren Namen in „Die Bayr. Biene“. Nocheinmal mußte unser Verbandsblatt in seinen alten Tagen – es stand bereits in seinem 66. Lebensjahr – sich umtaufen lassen in „Die Imkerpraxis“, damals nämlich, als auf Grund der durch die Kriegslage erforderlichen Einsparungsmaßnahmen die Zusammenlegung mehrerer Bienenzeitschriften erforderlich wurde. So finden wir seit dem 1.3.1943 unsere ehemalige „Die bayr. Biene“ in Gemeinschaft u. zugleich als Amtliches Organ für die Landesfachgr. Bayern, Bayreuth, Donauland, Kärnten, Mainfranken, Salzburg, Steiermark, Tirol u. Vorarlberg. Verantwortlicher Schriftleiter blieb erfreulicher Weise Gg. Neuner in Nürnberg. Immer dünner u. dünner erschien die zeitung in ihrem letzten Lebensjahr, zuletzt nur mehr 3seitig u. 1 Seite Inserate, bis sie endlich im November 1944 ihr Erscheinen endgültig einstellte.

 

 

21.2.1945        Sofortabgabe von Wachs:


Die Ofgr. Berchtesgaden Macht aud gegebenen Anlass auf folgende Bestimmung aufmerksam:

Neben der Ablieferung des Honigs muß auch das erforderliche Bienenwachs zur Verfügung gestellt werden. Diese Sofortabgabe von Wachs ist aus der Wachsernte 1944 zu erfüllen. Imker, die dieser Erfüllung nicht nachkommen, erhalten im Frühjahr 1945 keinen Zucker. Wer weiterhin die Wachsabgabe aus der Ernte 1945 nicht erfüllt, erhält weder Herbstzucker 1945, noch Frühjahrszucker 1946.

 

 

10.3.1945        In der Frühjahrsversammlung im Gasthof Neuhaus,


die wider Erwarten sehr gut besucht war, galt es zunächst, finanzielle Vereinsangelegenheiten – Zuckergeld, Jahresbeitrag, einzuheben.

Anschließend sprach Hauptlehrer Komposch zu den Anwesenden über seine im Auftrage des Luftgaukommandos 7 gemachten Beobachtung hinsichtlich der Einwirkung der Vernebelung auf die Bienen. Der Vortragende konnte feststellen##3, daß – sofern die Vernebelungstonnen sich nicht in unmittelbarer Nähe der Bienenstände sich befinden, eine schädliche Einwirkung auf die Bienen absolut ausgeschlossen ist. Die angestellten Beobachtungen ließen erkennen, daß selbst bei stärkster Vernebelung keinerlei auffallende Veränderung – ausgenommen die an sich leicht erklärliche Einstellung des Fluges – wahr zu nehmen war, es besteht somit für die Imker kein Grund, die Vernebelung als bienenschädigend zu bezeichnen. Es sei daher auch nicht gängig, bei allfallsigen Völkerverlusten einzig u. allein die Vernebelung hierfür verantwortlich zu machen; hier können als Todesursachen meist ganz andere Einwirkungen in Frage, wie z.B Ruhr, Nosema, ungesunde Winterhaltung, Hunger schlechte u. ungenügende Einwinterung u.s.w.

Prüfe daher jeder Imker, sofern er über Verluste zu klagen hat, zunächst sich selbst, frage er sich, ob die Schuld am Eingang eines oder gar mehrerer Völker nicht einzig u. allein auf sein persönliches Konto zu buchen ist, andernfalls spüre er der eigentlichen Ursache nach, ehe er leichtfertigerweise u. kurzer Hand die Vernebelung zum ausschließlichen Bienenmörder macht.

 

 

8.5.1945          Das furchtbarste Völkerringen aller Zeiten, der 6 Jahre währende 2te Weltkrieg (1939 – 1945) ist zu Ende


Die Siegermächte legen uns deutschen die Kandare an. Vorerst haben wir nichts mehr zu sagen, wir haben nur noch den Befehlen der Militärregierung bedingungslos zu gehörchen. Sämtliche Vereine sind aufgelöst, verboten!

 

 

11.8.1945        Das Amtsblatt Official Garette Nr. 13 bringt folgende Bekanntmachung über die Ablieferung von Bienenhonig im Jahre 1945:


Das Amt für Ernährung u. Landwirtschaft in Bayern ordnet im Einvernehmen mit der Militärregierung folgendes an:

1.     Bienenhonig unterliegt der Ablieferungspflicht. Mit Rücksicht auf die Unmöglichkeit einer geregelten Erfüllung dieses Kontingents die von den Imkern abzuliefernde Honigernte je gehaltenes Bienenvolk auf 1,5 kg ermäßigt. Mit der Durchführung der Ablieferung sind die Landfachgruppen Imker in Bayern beauftragt.

2.     Die Imker sind verpflichtet, den unter die Ablieferung fallenden Bienenhonig an die Abteilung Eier – Geflügel u. Honigwirtschaft zugelassen  Sammlern oder Sammlerstellen abzugeben.

3.     Verstöße gegen die Anordnung werden nach der geltenden Bestimmung bestraft.

4.     Diese Anordnung tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft