Beginn der Abschrift der Vereinschronik

 

Vorwort

 

Als Ende Oktober 1951 so ganz durch die Blume gesprochen, an mich der Wunsch herangetragen wurde, es möchte sich doch jemand finden, der gewillt wäre, die geschichtliche Entwicklung des Bienen – Zucht – Vereins Berchtesgaden niederzuschreiben, war ich mir dessen sofort bewusst, daß diese Arbeit nicht leicht und einfach sein wird, waren ja doch in Hände des Vereins keinerlei Schriften und Aufzeichnungen mehr vorhanden, aus denen Stoff längst vergangener Zeit für die zu erstellende Chronik hätte entnommen werden können.

Dessen ungeachtet nahm ich doch die Arbeit in Angriff. Mühsam und – ich darf wohl ohne Selbstüberhebung sagen – mit einem wahren Bienenfleiße mußte aus Fachzeitschriften, den vielen Jahrgängen der „Münchner Bienenzeitung“, der „Bayrischen Biene“, dem „Imkerführer“, aus dem „Berchtesgadener Anzeiger“, dem „Reichenhaller Grenzboten“ usw. all das zusammengetragen und chronologisch geordnet werden, was eben in die Chronik des Vereins gehört.

Wenn mir das Werk zum großen Teil gelang, so verdanke ich dies in erster Linie dem Bienenzuchtverein Reichenhall, der mir in liebensürdiger Weise die Möglichkeit bot, Einblick in sein Protokollbuch zu nehmen. Ihm sei daher an dieser Stelle mein herzlichster Dank zum Ausdruck gebracht.ht minder danke ich der sehr verehrlichen Redaktion des „Berchtesgadener Anzeiger“, der mir in entgegenkommendster Weise die Einsichtnahme in die älteren Jahrgänge genannter Zeitung ermöglichte. Nicht vergessen sollen schließlich sein all jene Imkerfreunde, die bei der Anfertigung der Chronik behilflich waren; auch ihnen gebührt mein ganz besonderer Dank.

Kann die nun geschaffene Chronik auch nicht Anspruch erheben, ein lückenloses Werk zu sein, so soll sie doch jedem, der darin zu lesen versteht, zeigen, wie sehr der Imkerverein Berchtesgaden jederzeit bestrebt war, an der Förderung der heimischen Bienenzucht zu arbeiten und welche Hindernisse sich ihm dabei in den Weg stellten.

Möge das Werk den Zweck erfüllen, für den es begonnen und ausgearbeitet wurde. Und wenn es über den Kreis seiner eigentlichen Bestimmung hinaus Freude und Nutzen stifte, soll dies für mich 75jährigen der schönste Lohn sein.

Schönau bei Berchtesgaden, am Tage der Hl. Kunigund 1952.

                                                                      

                                                                                             Max Komposch

                                                                                             Hauptlehrer i. Ramsau

 

 

 

 

Wann wurde der Bienenzuchtverein Berchtesgaden gegründet ?

 

Ehe wir an vorstehende Frage herantreten, wollen wir zunächst die Frage beantworten: Hatte Berchtesgaden, bzw. der gesammte Bezirk Berchtesgaden schonmal einen Bienenzuchtverein?

In „Heimatblätter“ Beilage zum „Reichenhaller Grenzbote“ vom 29 Mai 1921 schrieb damals der Bienenmeister Alois Wagner (1923 – 1926 Vorstand des R`haller Bienenzuchtvereins) über das 200jährige Jubiläum des „Bienenzuchtvereins St. Zeno“. Wir lesen dort: Der Bienenzuchtverein St. Zeno kann am 1.Juni 1921 sein 200jähriges Jubiläum feiern Wenn er auch auf ein kleines Häuflein Mitglieder zusammengeschrumpft ist, so besteht er doch heute noch und alle Jahre findet eine Hauptversammlung statt, ebenso wird alljährlich für die verstorbenen Mitglieder eine heilige Messe in der Pfarrkirche St. Zeno gelesen. – Wagner stützt seine Angaben auf eine Urkunde, die sich im Besitz des Josef Spett in St. Zeno befindet. Ich zitiere daraus:

 

Punkt 3

Wird vor diesem gelt vor Glück und Segen der Impen denjenigen Tag eine hegl. Meß gelesen.

 

Punkt 4

Wird auch vor Denjenigen Ein Verleibte alle Jahre wenn von Gott dem allmächtigen heimbgesucht würden, daß zeitliche mit dem ewigen verwechseln. Vor den armen Seelen ein hl. Meß gelesen wird.

 

Punkt 5

So wird durch den jüngst eingeschriebenen die Nachricht götzen, wann die hl. Meßen gelesen worden oder sonsten ein oder anders vorzubringen sein möchte.

 

Punkt 11

Schlußsatz: Wer jez. zehn Jahr dabei ist, dem wird eine hl. Meß gelesen werden.

 

1796 ist ausgemacht worden, daß ein jeder, wenn er ein Jahr dabei ist „eine hl. Meß gelesen wird“.

1800 ist ausgemacht worden, daß, wer aus Bosheit ausbleibt, „bekommt kein hl. Meß und schließt sich von der Bruderschaft aus“.

Gerade der letzte Satz scheint mir mit aller Deutlichkeit hervorzugehen, daß es sich im vorwürfigen Falle nicht so sehr um einen „Bienenzuchtverein“ im heutigen Sinne, als viel mehr um eine Bruderschaft (Confraternitates) handelt, wie in früherer Zeit die von kirchlichen Obern genehmigten, unter kirchlicher Aufsicht stehenden Vereine von Katholiken genannt wurden.

 

Auf einen wirklichen Bienenzuchtverein, u.z. im ehemaligen Distrikt Reichenhall stoßen wir oft in einer geschichtlichen Darstellung des Bienenzuchtbetriebs im Bezirk Reichenhall 1850 – 1904, verfaßt als Beitrag zum landwirtschaftlichen Kreisfeste am 10.11. u. 12 Sept. 1904 in Reichenhall von J. G. Beringer. Es heißt dort:

Wie in vielen Orten einige Vereine für die Hebung der heimischen Bienenzucht gegründet wurden, so haben sich auch in R`hall auf Anregung des damaligen Salinenmaterialaufsehers Anton Rudholzner, den sein lebhaftes Interesse für die Bienenzucht schon vor Jahren veranlaßte, den mährischen Bienenzuchtverein Brünn als Mitglied beizutreten, fünf tätige Imker vereinigt zum Zwecke, sich der Förderung der Bienenzucht angelegen sein zu lassen.

Der 1879 in Reichenhall gebildete Lokalverein für Förderung der Bienenzucht hat auch seinen Anschluss an den damals gebildeten oberbayrischen Kreisbienenzuchtverein erklärt.

Die 5 Vereinsmitglieder imkerten mit 22 Völkern, worunter 9 mit Mobilbau….. Die ernste Zusammenhaltung aller Mitglieder veranlaßte auch mehrere achtbare Imker aus dem Bezirke Berchtesgaden, sich dem Verein Reichenhall anzuschließen.