Abschrift der Vereinschronik von 1936 bis 1940

 

3.1.1936          Für die am 5.Januar im Neuhaus – Saal zu Berchtesgaden:

 

 

Anberaumte außerordentliche Versammlung erging durch ein Ausschreiben im Berchtesgaden Anzeiger folgende Aufforderung:

Wie aus dem Inseratsteil ersichtlich ist, veranstaltet die Bezirksfachgruppe Imker Berchtesgaden am Sonntag eine öffentliche Imkerversammlung, zu der alle Bienenzüchter u. Bienenfreunde herzlichst eingeladen sind. Es darf erwartet werden, daß die Teilnahme an dieser Versammlung eine ebenso vollzählige ist, wie dies erfreulicherweise gelegentlich der Aufklärungsversammlung am 1. Dez. 1935 der Fall war. Handelt es sich doch auch diemal wieder um die Bekämpfung der so gefährlichen Milbenseuche bei unseren Bienenvölkern. Die von der Reg. v. Obb. angeordnete Zwangsbegasung ist durchgeführt und wie die eingelaufenen Berichte erkennen lassen, durchwegs ohne nennenswerte Schäden verlaufen. Dem mit der Milbenseuche betrauten Imker ist nicht unbekannt, daß sich gerade z.Z. der Begasung bei den Bienen ein großes Hungergefühl einstellt. Wohl dem Imker, der seine Völker genügend verproviantiert weiß. Abgänge an kostbaren Bienenvölkern in Folge Verhungerns müssen unter allen Umständen verhindert werden.

Das ist Imkerpflicht. Fragt sich nur, wie der Verminderung unserer Bienenstände wirksam entgegengetreten werden kann. Darüber wird Herr landwirtschaftsrat Schreiben als Sachverständiger in der angekündigten Versammlung ausführlich sprechen. Versäume es also kein Imker, zu erscheinen um sich hier die erforderlichen Ratschläge zu erholen.

 

                        Bezirksfachgruppe Imker, Berchtesgaden.

 

5.1.1936         

 

Es darf angenommen werden, daß vorangeführte Versammlung auch tatsächlich stattgefunden hat, Über den verlauf fehlt jeder bericht. Leiter der Versammlung war Gerr Sg. Stadler, Schellenberg.

 

 

17.2.1936        Ausschluß eines Mitgliedes aus der Reichsfachgruppe Imker.

 

Die Reichsfachgruppe Imker schließt auf Grund des §, Ziffer 1 u. 2 der Satzung mit sofortiger Wirksamkeit das Mitglied Franz Stadler in Schellenberg wegen Herabsetzung des Obmanns für das Zuchtwesen der Landesfachgruppe Württemberg, Hr. Hummel aus der Reichsfachgruppe aus.

 

Was war der Grund hierfür?

Stadler war ein ausgezeichneter Königinnenzüchter u. als solcher ein großer Feind u. Verachter von Sklenar. Unermüdlich trat er für die Zucht des Stammes 47 ein, dessen Urzüchter Sklenar war. Nichts ärgerte ihm mehr, als der Kampf gegen diese Zuchtrichtung seitens der Imker. Ihren Ansichten trat er mutig, aber nicht immer in ritterlicher und einwandfreier Weise entgegen. So schrieb er in Sklenars Imkerzeitschrift „Mein Bienenmütterchen“ 15. Jahrg. Nr. 10 Seite 77 ff. wie folgt:

 

Wie mir aus zuverlässiger Quelle berichtet wird, ist in Württemberg einen neuer Bienenfeind aufgetreten. Es handelt sich um eine Art „Hummel“, die es ganz besonders auf die fleißigen und sanftmütigen Bienen abgesehen hat. Ganz besonders soll von diesem Schädling die „47“er Rasse befallen werden, während alle anderen Mischrassen dagegen gefeit sein sollen. Aus der Schweiz stammende deutsche Bienen, Heidebienen usw. sollen von dem Giftstachel dieser Hummelart nicht belästigt werden, da diese als bekannte Stecher ihrer Volksstärke mehr fähiger sein sollen. Ja sanfter also der Stamm u.ia fleißiger Bienen, wie z.B. Stamm 47/21E, die man böswilligerweise als Krainerbiene bezeichnet, obwohl sie ein Zuchtprodukt aus der in Deutschland zur Zucht zugelassenen Linie 47/21 ist, desto mehr Gefahr besteht in Württemberg für ihr leben und ihre Verbreitung, da daran gute Eigenschaft diese Hummelsorte zu blinder Stech – u. Vernichtungswut anreizt…..

Soweit ich im Bilde bin, haben sich schon größere Vereine zur Aufgabe gemacht, gegen diesen Bienenfeind, bei dem es sich scheinbar um eine Spielart des Bienenwolfes handelt, auszurotten, um vor größerem Schaden bewahrt zu bleiben u. ein weiteres Umsichgreifen zu verhindern. Gelingt das, so kann man den Imkern in Württemberg nur gratulieren!

 

Mit Recht fühle sich der Obmann für das zuchtwesen der Landesfachgruppe Württemberg, Hr. Hummel betroffen u. wandte sich daher beschwerdeführend an die Landesfachgruppe.

Diese gab der Beschwerde statt u. schloß den Artikelschreiber Stadler wie schon eingangs bemerkt mit sofortiger Wirksamkeit aus.

Da die Imker bekanntlich nicht mehr Mitglieder eines Ortsvereins, sondern des Reichsnährstandes sind, gilt somit Hr. Stadler auch aus unserer Ortsfachgruppe als ausgeschlossen u. ist somit auch seine seinerzeitige Berufung als stellvertretender Vorsitzer u. Obmann des Königinnenzuchtwesens hinfällig.

 

Stadler hat zwar gegen das Ausschließungsurteil Berufung eingelegt, in dessen zu spät, so daß diesem nicht mehr nähergetreten werden konnte.

Der Ausschluß des Hr. Stadler – Urteil u. Begründung – wurde auf dem Dienstwege der Volksfachgruppe Berchtesgaden Zur Kenntnisnahme zugesendet.

 

 

18.2.1936       

 

Der bisherige 1.Vorstand zur Ortsfachgruppe Berchtesgaden Hauptlehrer Komposch sieht sich aus Gesundheitsrücksichten und wegen Arbeitsüberhäufung und wegen Arbeitsüberhäufung nicht mehr in der Lage, die Geschäfte der Fachgruppe Imker weiterhin zu führen u. tritt mit sofortiger Wirkung als Vorsitzender der Ofgr. Berchtesgaden zurück.  Er beruft als seinen Nachfolger vorbehaltlich der Genehmigung der zuständigen Stelle

 

            Herrn Finanzoberinspektor Fritz Knoll in Berchtesgaden

 

 

10.3.1936        Die veterinärpolizeiliche Anstalt Schleißheim teilt mit,

 

daß die Untersuchung der am 3.2.36 überschickten Proben des Josef Irlinger in Ettenberg keinen Befund ergab, der auf irgendwelche Krankheiten schließen läßt.

 

 

27.5.1936        stirbt Herr Josef Weiß, Enzianbrenner in Berchtesgaden

 

Herr Weiß war gleich seinem Vater, dem Konstrukteur des „Berchtesgadener Bienenstock“ ein eifriger Bienenzüchter. Er war der erste Vorstand des 1921 gegründeten Bienenzuchtvereins Berchtesgaden, trat aber bereits am 14.5.1922 als Vorstand wegen Arbeitsüberhäufung zurück.

R.I.P.

 

 

7.6.1936          Gemeinsame Imkertagung in Reichenhall

 

Für die Ortsfachgruppen Reichenhall, Berchtesgaden, Laufen, Traunstein Mühldorf u. Altötting.

Den Vorsitz führt der 1. Vorsitzender Hettinger.

Dr. Stoll als Vertreter des Bezirksamtes

Landwirtschaftsrat Schreiber aus München.

Es folgen zunächst die Ehrungen; es erhielten aus unserer Ortsfachgruppe:

 

Die goldene Medaille der bisherige Vorsitzende Maximilian Komposch,

die Ehrennadel des Landesvereins bzw. der Landesfachgruppe Imker Bayern die Herren Fritz Knoll u. Matth. Reiner, sämtliche für hervorragende Verdienste auf dem Gebiet der Bienenzucht.

Anschließend sprach Hr. Schreiber. Er betonte, daß der Bienenzüchter in der Ernährungswirtschaft eine Sonderstellung einnimmt, weil er dem deutschen Volksvermögen Werte zuführt, die er in Stunden der Erholung und Besinnlichkeit gewinnt, also gewissermaßen im Gewande der Freude leistet. Um die Jugend wieder für die heimatliche Scholle begeistern zu können, bedarf es, so wesensfremd die erscheinen mag, der Forderung der Bienenzucht, denn das Wohl des Volkes liegt nicht auf Spitzen der Bajonette, sondern in der Ausrichtung u. Bildung der Volksseele.

Der Gang in das Bienenhaus sei für den Imker immer ein Sonntag. Neben diesen ideellen Gesichtspunkten regen sich aber beim Bienenzüchter auch wirtschaftliche Probleme, hat er doch die Aufgabe, die alljährlichen ins Ausland wandernden 12 Millionen RM für Honig u. Wachs herunter zu drücken.

 

Zum Schluß rief der hervorragende Bienenmeister seinen Zuhörern ins Gewissen: Nehmet teil an dem großen Aufbauwerke des deutschen Vaterlandes!

 

Die Anwesenden spendeten den Ausführungen des Redners lebhaften Beifall.

Anschließend gab noch Reichsobmann Hettinger Aufklärung für die einzelnen Ortsfachgruppen über Belegstellen, Honigmarke, Erzeugungsschlacht usw.

Ortsfachgruppenvorsitzender Scherer in R`hall schloß die interessante Versammlung mit einem kräftigen „Sieg Heil“.

Vorstehende Imkertagung fand statt anläßlich des 40-jährigen Bestehens unseres Nachbarvereins R`hall u. galt als Gautagung der Oberkreisfachgruppe von 1936.

 

 

1.6.1936

 

Ein Rückblick auf das 1. Halbjahr u. ein Blich in die Monatsreporte des Obmannes für das beobachtungswesen zeigt, daß die im März erfolgte Nachbegasung auf verschiedenen Bienenständen teils zu recht fühlbaren Völkerverlusten führten, anderenteils die Völker stark geschwächt sich mit recht langsam entwickeln konnten. Diese Völker standen zur Zeit der Nachbegasung schon stark in Brut, für die das Drow`sche Bekämpfungsmittel doch zu stark war. Die Ansicht des Hr. Sachverständigen für Bienenzucht, daß die begasung für die brut absolut unschädlich sei, hat somit als irrig erwiesen.

 

 

25.10.1936      Zur Versammlung im Neuhaussaale zu Berchtesgaden

 

Sprach der Vorsitzende u.a. auch über die honigernte. Nach einem Bericht im „Berchtesgaden Anzeiger Nr. 252 vom 29.10.36“ war dem Vortrag zu entnehmen:

Das jahr 1936 hat in der Bienenzucht nicht das gehalten was es nach Entwicklung der Völker u. Bienenweide im Frühjahr versprach. Von den 3W in der Bienenzucht (Weisel, Winde u. Wetter) hat das Wetter leider versagt.

Schon im zeitigen Frühjahr wurde die Obstblüte in Süddeutschland durch Unwetter vernichtet. So reiht sich das Jahr 1936 an das vorhergehende, das einen Volksdurchschnitt von 9,65 kg brachte, als ein Jahr der Mittelernte an. Die Nachfrage an Honig ist allgemein gestiegen. Die Gründe für diese gesteigerte Nachfrage sind folgende:

 

Planmäßige Werbung der imkerlichen Verbände seit einer Reihe von Jahren, steigende Erkenntnis der gesundheitlichen Werte des Honigs u. die Verminderung der Arbeitslosigkeit.

Zur Sicherung der Bedarfsdeckung erzieht die Reichsfachgruppe Imker über 160000 Mitglieder zu einer besseren Behandlung u. Pflege der Bienenvölker.

 

 

15.12.1936                

 

Nach Mitteilung des statistischen Landesamtes in München betrug auf Grund der Viehzählung vom 1.12.1935 die Zahl der Bienenvölker im Landkreis Berchtesgaden 1846 Völker, wovon 1558 auf beweglichem Bau und 288 auf unbeweglichem Bau saßen.

Ein Jahr später, also am 1.12.1936, dem Jahr der Vergasung betrug die Zahl der Bienenvölker in diesem Bezirke 1799; hiervon waren 1486 Völker Mobil = 313 Völker Stabilbauten. Die Gesamtzahl 1936 weist somit gegenüber dem bestand des jahres 1935 ein minus von 65 Völker auf.

 

Es wäre falsch diesen Verlust ausschließlich auf das Konto der „Milbenseuche“ zu setzen. Die Zahl der Milbenseuchenopfer ließe sich nur dann festsetzen, wenn gleichzeitig bekannt wäre, wieviel Verluste aus anderen Ursachen, z.B. Weisellosigkeit, Nosema usw. in Anrechnung zu bringen wären. Andererseits müßte man aber auch die Zugänge an Kunst – u. Mutterschwärmen zahlenmäßig in Rechnung stellen. Groß würde die Zahl der letzteren ja nicht sein, denn der Monatsbericht des Obmannes für das beobachtungswesen spricht im Mai nur von „anfangs u. am Ende vereinzelt Schwärme, im Juni Schwarmfieber durch plötzlich einsetzende Volltracht unterbunden“

Auch der Aufruf: „Jeder Imker ein Volk mehr“ hat sicherlich manche Lücke am Bienenstand wieder geschlossen, so daß also der Minderbestand an Völkern am Schlusse des Jahres 1936 = 65 nicht allzu tragisch genommen werden braucht; es darf vielmehr angenommen werden, daß wir dankbar sein müssen u. gefährlichen u. besorgniserregenden Zeit mit einem blauen Auge darausgekommen zu sein.

 

 

1.1.1937                     Durch die Rfgr. I. Berlin wurde der Jahresbeitrag für sämtliche Mitglieder ab 1. Jan 1937 auf 2 RM festgesetzt, die an die Landesfachgruppe abzuführen sind.

 

In diesem Jahresbeitrag sind enthalten: Die Beitragsleistungen an die Rfgr. an die Bfgr. , sowie die Sonderleistungen für Haftpflich, Feuer - ,Frevel – und Einbruch die Ostahlversicherung u. ferner für Faulbrutentschädigung.

 

Beiträge für die Ortsfachgruppen:

Damit die Ofgr. Lebensfähig sind u. ihren verschiedenen Verpflichtungen nachkommen können, sind unter allen Umständen auch Beiträge für die Ofgr, zu erheben; hierfür können Beiträge von RM 1.- bis RM 3.- festgesetzt werden.

 

 

 

10.1. 1937

 

Fand vormittags 10 Uhr im Gasthaus neuhaus die Generalversammlung statt, zu der laut Inserat im Berchtesgaden Anzeiger ein vollzähliges Erscheinen der Mitglieder der ortsfachgruppe Imker Berchtesgaden erbeten war. Es handelte sich in der Hauptsache um die zuweisung des verbilligten Zuckers von 1937.

 

 

11.3.1937        starb Frau Kommerzialrat Maria Kriss, geb, Scholz

 

Tief betrauert von Allen, die sie kannten hat sie doch so unamtlich viel getan für das Berchtesgadener Land. Mit freudiger Bereitschaft suchte sie alle Bestrebungen u. Unternehmungen, die der Gemeinschaft dienen zu fördern u. zu unterstützen. So finden wir sie in den verschiedensten Vereinen; auch dem Bienenzuchtverein gehörte sie seit vielen Jahren an u. war wohl eine der fleißigsten Teilnehmerinnen an allen Versammlungen.

Der Verein trauert aufrichtig um diese edle Frau u. jeder, der siekannte, wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

 

 

13.4.1937        Das Bezirksamtsblatt Nr. 13 bringt betr. Bienenkrankheiten folgenden Warnruf:

 

Der Bienensachverständige, Landwirtschaftsrat Schreiber teilt mit:

Im heurigen jahr ist nach den Untersuchungsergebnissen damit zu rechnen, daß die Nosema – Seuche im verstärkten Maße aufzutreten scheint. Es werden daher alle Bienenzüchter aufgefordert, die sehr starken Leichenfall aufweisen u. die in der Entwicklung zurückbleiben, 20 – 25 Bienen je Volk an die veterinärpolizeiliche Anstalt in Schleißheim einzusenden.

 

 

 

12.4.1937        Der Kampf um die Belegstelle Raggert

 

Der Vorsitzende der Ofgr. Imker Berchtesgaden Herr Franz Knoll schreibt an den bisherigen Belegstellenleiter Komposch, daß Herr von Hardt, Königssee Grutschenlehen heuer 100 Königinnen auf die Belegstelle Raggert zu bringen beabsichtige.

Dabei verlangt der Züchter noch, daß das bisherige Drohnenvolk, - ein durchaus bodenständigen u. in jeder Hinsicht zufriedenstellendes Bienenvolk entfernt u. als Ersatz sein Drohnenvieh vom Stamme Nigra dort selbst aufgestellt würde. Dagegen hätten bereits die Züchter, die schon seit Errichtung der Belegstelle 1922 diese mit bestem Erfolg benützten, Einspruch erhoben. Gleichzeitig verlangt Herr v. Hardt, daß die Belegstelle als Kleinzuchtbelegstelle anerkannt werden müsse. Anschließend an diese Mitteilung stellt der Vorsitzende das Ansuchen, der bisherige Leiter der Belegstelle, Komposch, wolle auch weiterhin dieses Amt beibehalten

 

 

17.4.1937       

 

Hr Komposch erklärt sich bereit, dem Ansuchen des Hr Vorsitzenden Knoll stattzugeben u. die geforderte Belegstellenordnung auszugeben.

 

Dem Hr. v. Hardt wird eröffnet, daß ein Wechsel des Drohnenvolkes auf der Belegstelle auf keinen Fall vorgenommen wird.

 

 

 

2.5. 1937                   

 

Daraufhin hat Hr. v. Hardt sich an Landwirtschaftsrat Schreiber mit der Bitte, als Vermittler einzugreifen, gewandt. Zu einem Briefwechsel Schreiber – Komposch teilte letzterer mit, daß ein Wechsel des Drohnenvolkes auf keinen Fall stattfindet. Damit schien die Angelegenheit für Hr. Schreiber einstweilen erledigt zu sein, was sich auch aus einem Briefe an Hr. Knoll vom 2. Mai 1937 ergibt u. in dem es heißt:

 

„Da mir Hr. Komposch, der doch Belegstellenleiter ist, kategorisch erklärte, daß ein Wechsel des Drohnenvolkes nicht in Frage kommt, war für mich die Belegstellenfrage erledigt. Hr. v. Hardt errichtet seine Eigene Station.“

Für diese „Eigentumsstation“ kommen in Frage die Salett = oder die Eckaualm, daraus wurde allerding nichts, denn zur ersten blieb die forstamtliche Genehmigung versagt, während die Eckaualm für den Züchter zu ungelegen lag.

Damit blieb Hr. v. Hardt nichts anderes übrig, als sich zu „fügen“ u. den bisherigen Drohnenvieh anzuerkennen.

 

 

23.5.1937        Versammlung im Neuhaus zu Berchtesgaden

 

Es wird die provisorische Belegstellenordnung bekannt gegeben mit dem Hinweis, daß dieselbe solange ihre Gültigkeit hat, bis die von der Reichsfachgruppe Imker in Aussicht gestellte allgemeine Belegstellenordnung in Kraft getreten ist.

 

 

 

 

 

26.6.1937        erscheint Herr v. Hardt mit seinen Königinnen auf der Belegstelle

 

Leider kümmert er sich nicht um die Einhaltung der Belegstellenordnung. Neuerdings beginnen die Zwistigkeiten infolge eigenmächtigen wAufstellens u. Wegbringens der Königinnen. Schlichtungsversuche blieben ergebnislos

 

 

20.6.1937       

 

Auf eine Beschwerde des Belegstellenleiters hin erhält Hr. v. Hardt durch den Vorsitzer der Ofgr. Imker neuerdings das Belegstellen – Statut zugesandt mit dem Ersuchen, den Belegstellenleiter in Ausübung seiner Funktion weiterhin nicht zu umgehen, sondern in kameradschaftlicher Weise zu unterstützen und wieder ein ungetrübtes Verhältnis herzustellen.

Dieses wohlgemeinte Verlangen ging Hr. v. Hardt anscheinend zu hoch; er wandte sich abermals an Hr. Schreiber, wohl mit dem Ansuchen, hier vermittelnd einzugreifen, daß ergibt sich aus einem Briefe des Hr. Schreiber vom 29. Juli 1937 an den Vorsitzenden der Ofgr. Hr. Knoll, in dem Schreiber für Hr. v. Hardt auffallend Partei ergreift;

Herr Schreiber hat anscheinend seinen Brief vom v. 2.Mai 1937 vergessen!

 

Der Inhalt des Briefes v. 29. Juli war fast ausschließlich eine Zurechtweisung des Belegstellenleiters Komposch. Schreiber spricht von Unstimmigkeiten u. nennt das Verlangen, die Belegstellenordnung durch Hr. v. Hardt einzuhalten.

„verzicht u. unverständlich“; er sieht in dem Kampf um die Einhaltung der ordnung weiter nichts als eine „Eifersüchtelei“ (!) usw.

 

 

 

6.8.1937         Vorsitzender Hr. Knoll übergibt dem Belegstellenleiter den Brief Schreibers zur Kenntnisnahme

 

Komposch weist in seinem Rechtfertigungsschreiben alle Beschuldigungen zurück und nimmt ausführlich Stellung zu einem völlig unverständlichen Einwurf des Hr. Schreiber, lautend:

„Die auf der Belegstelle einem Ramsauer Bauern gehörenden Bienenvölker /: es steht nur ein Volk dort :/ kann man doch nicht als Rasse-Völker bezeichnen.“(!!)

 

Dazu stellt Komposch die Frage: Hängt denn die Brauchbarkeit eines Bienenvolkes tatsächlich davon ab, wer der Besitzer des Bienenvolkes ist u. wessen Berufes er ist, ob er als ein einfacher schlichter Bauer oder ein hochwohlgeborener Herr „von“ ist?

Bislang war man „fast“ allgemein der Ansicht,- u. ist es auch jetzt noch – daß für die Beurteilung eines Bienenvolkes als Dröhnerich zunächst die Lebensgeschichte u. in Verbindung damit das Ergebnis langjähriger Leistungsprüfung das Entscheidende sei.

 

Auf Grund vieljähriger Beobachtung u. Erfahrungen an diesem „Bauernvolk“, das seit vielen Jahren Sommer und Winter auf der Belegstelle steht, sich selbst verproviantiert u. erhält, muß festgestellt werden, daß es sich hier um ein bodenständiges Volk handelt, das des „Schweißes der Edelsten“ wert ist. –

 

Es fragt sich: Hat denn Hr. Schreiber ganz vergessen, daß er vor einigen Jahren einmal das Volk auf der Belegstelle musterte und als durchaus einwandfrei taxierte?!

Bemerkt sei hinzu auch, daß das Drohnenvolk, ein Schwarm aus dem Jahre 1886 u. ein Geburtstagsgeschenk für den damals 12-jährigen Martin Schwab war, der heute noch Besitzer dieses Volkes ist.

 

 

30.5.-6.5.1937 Reichsnährstandsausstellung im München

 

Die Ortsfachgruppe Berchtesgaden ist mit unseren alten Bienenwohnungen daran beteiligt.

 

 

2.6.1937          Versammlung im Neuhaussaale Berchtesgaden

 

Belegstellen-Obmann Komposch referiert über die Grundzüge zur Errichtung einer Züchtergruppe. Dem Vortrag ist zu entnehmen:

Nachdem mich unser Hr. Vorsitzender, Hr. Knoll mit der Stellung eines Zuchtwartes kommissarisch betraut hat, muß ich heute auf dessen Ansuchen, bzw. im Hinblick auf den 2. Vierjahresplan die Grundzüge für die Errichtung einer Züchtergruppe klarlegen und zeigen wie ich mir die Durchführung denke. Über die Vermehrung der Bienenvölker:

Jeder Bienenzüchter 1 Volk mehr-ist bereits früher schon debattiert worden. Die 2te Forderung aber: Erhöhung der Durchschnittleistung des einzelnen Volkes kann aber nur dadurch erreicht werden, wenn wir darauf bedacht nehmen, in all unseren Völkern ausnahmslos nur Königinnen bester Abstammung zu haben. Bei dem bekannten Kunterbunt, das wir zuweilen nach auf unseren Bienenständen finden können, können wir die Beschaffung vollwertiger Königinnen nur erreichen, entweder durch Kauf bei anerkannten Kleinzüchter oder indem wir selbst uns der Königinnenzucht hingeben.

Präsident Kiekhöffel schreibt in seinem Büchlein: Das Zuchtwesen: „Der Weg von der Bienenhaltung zur Bienenzucht wird nur dann mit Erfolg beschritten werden können, wenn es gelingt alle Imker gemäß ihres imkerlichen Vermögens in den Dienst ernster Zucht zu stellen.“

Das lässt sich vielleicht in einer Ortsfachgruppe, deren Mitglieder nur einer Gemeinde angehören. Für unsere Ortsfachgruppe mit den Mitgliedern aus 11 Gemeinden wird dies wohl nicht so leicht sein. Wir können aber der Forderung der Reichsfachgruppe gerecht werden, wenn wir zunächst aus jeder Gemeinde 2 oder 3 Imker zu einer Zuchtgruppe zusammenfassen, die dann ihrerseits, wenn sie mit dem Zuchtwesen hinreichend vertraut sind, recht wohl in ihrer Gemeinde die Kunst der Königinnenzucht verbreiten könnten.

Nun liegt es an den Imkern, sich für diese Gemeinschaftsarbeit zu entscheiden. All jene, die seit Jahren schon unserer Vereinigung angehören, werden sich erinnern, daß sich als Vorstand vor Jahren schon wiederholt auf die Notwendigkeit der Könniginnenbeschaffung durch eigene Zucht hinwies und es gelang tatsächlich 2x. einmal unter Leitung von Oberbaurat v. Friecker und dann ein 2tes mal unter Hr. Stadler in Schellenberg Züchtergruppen zu erstellen., die aber mit dem Tode des Zuchtwartes wieder einschliefen.

Sollte aber die letztgenannte Züchtergruppe wieder aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen, dann umso besser.

Und wenn nicht, dann ist es umso mehr unsere Pflicht, sich dessen zu erinnern, daß Imkerarbeit in neues Deutschland als politische Arbeit gilt; Deutschland ruft uns und der Ruf verpflichtet uns zur Tat.

 

 

Juli 1937

 

Entgegen der ausdrücklichen Bestimmung im Vortrag mit dem Forstamte Ramsau erlaubt der zuständige Forstverwalter Dürr im Hintersee dem Bauern Sebastian Votz in Ramsau in nächste Nähe der Belegstelle Raggert 2 Bienenvölker aufzustellen. Belegstellenleiter Komposch verlangt die sofortige Zurücknahme der Bienenvölker. Diesem Verlangen kommt die Forstbehörde nur zögernd und erst nach Wochen nach.

9.11.1937 Die Ortsfachgruppe Imker Berchtesgaden beschließt, die Belegstelle Raggert wesentlich zu vergrößern. Vorausgehend mußte die Zustimmung der dort Weideberechtigten eingeholt werden. Die erklärten, daß sie gegen die seitens der Bezirksfachgruppe Imker in Berchtesgaden geplante Einzäunung der seit Jahren bestandene Königinnenbelegstelle einen Einspruch erheben wollen, nachdem es sich nur um eine ganz geringe Fläche und um einen völlig unproduktiven Boden handelt.

Es unterzeichnen: August Bartels, Rosthof

                              Josef Gschoßmann, Rainzirl

                              Simon Hinterbrand, Auzinger

                              Mich. Datzmann, Brunner

                              Peter Leitner, Fluchthäusl

                              Josef Zechmeister, Oberl.

 

 

16.11.1937

 

Für die geplante Erweiterung und Einzäunung der Belegstelle Raggert waren nach dem Voranschlag zu zahlen:

 

a)     Drahtgeflecht samt Zubehör:                                     218,40 RM

b)     Zimmermannsarbeiten:                                             265,50 RM

                                                                                  483,90 RM  

 

 

17. 11.1937    Der Vorsitzer, Hr. Knoll will zurücktreten:

 

Wegen verschiedene Kränkungen und Schikanen, die nun schon seit Monaten dem Vorsitzenden der Ortsfachgruppe Imker Berchtesgaden, Hr. F. Knoll die Leitung des Vereines verbitterten, - er schrieb: „ Es war eine schwere Zeit für mich; Ich habe- um die Gemüter des ganzen Vereins zu glätten, vieles nicht an die große Glocke gehängt-„ sah er sich genötigt, seinen Rücktritt als Vorsitzender der Ortsfachgruppe Imker Berchtesgaden ernstlich in Erwägung zu ziehen und bat deshalb den früheren Vorstand, Hauptlehrer Komposch in Ramsau sich neuerdings wieder als Vorsitzender der Ortsfachgruppe Imker Berchtesgaden zu Verfügung zu stellen.

 

 

18.11.1937

 

Komposch antwortet darauf, daß er in Würdigung der von Hr. Knoll vorgebrachten Gründe den Antrag auf Übernahme der Vorstandschaft in der Ortsfachgruppe nur dann annehmen könne, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben wären. Diese sind:

1.     Innerhalb der Vereinsführung muß eine grundlegende Arbeitsteilung durchgeführt werden (es folgt ausführliche Begründung).

2.     Hinsichtlich der Belegstelle Raggert müßte unbedingt um einen nochmaligen Streit mit einem gewerbsmäßigen Königinnenzüchter zu verhindern, eine entsprechende Vereinbarung getroffen werden.

3.     Die Leitung der Belegstelle liegt nicht mehr in Händen des Vorsitzes der Ortsfachgruppe; sie wird einem anderen Mitglied der Ortsfachgruppe übertragen; dieses Mitglied darf aber unter keinen Umständen gewebsmäßiger Königinnenzüchter sein.

Bei sorgfältiger Überprüfung dieser Bedingungen kommt Komposch aber zur Überzeugung, daß sie sich nicht durchführen lassen, weil es an dem erforderlichen Willen zur Mitarbeit seitens der Mitglieder wie bisher auch weiterhin fehlen wird.

Der Brief schließt mit den Worten und der Bitte: Ich möchte aber Sie, lieber Hr. Knoll, dringendst bitten, die Umweiselung der Ortsfachgruppe durch eine andere Persönlichkeit nicht zu überstürzen. Lassen Sie die Tage ruhig an sich herankommen; es wird sich dann schon jemand finden lassen, der Lust und Liebe und auch Zeit zur Sache hat und der dann auch genehm nach-Oben! Ist.

 

 

22.11.1937

 

Erfreulicher Weise beantwortet Hr. Knoll vorstehen Brief mit den Worten: „Ihre Ausführungen sind so, daß ich das Bündel wieder weitertragen muß.“

 

 

25.12.1937           Schutz an der Belegstelle:

 

Das Staatsministerium für Wirtschaft, Abteilung Landwirtschaft hat unterm 25.12.1937 Nr 3 a 17 in großzügiger und dankenswerter Weise eine Verfügung erlassen, in der es und auch heißt: „Zur Unterstützung der Bestrebungen der Reichsverbandes deutscher Kleinzüchter, Reichsfachgruppe Imker auf diese Gebiete der Bienenzucht erscheint es notwendig, den von dieser Fachgruppe anerkannten Belegstellen einen entsprechenden Schutz zu gewähren. Da andere gesetzliche Grundlagen fehlen, können Vorschriften nur auf die Art. 120 und 121 des RStg gestützt werden.“ (Siehe Bay. Biene 1938 S 45)

Für die Ortsfachgruppe Imker Berchtesgaden erübrigte sich indessen der Antrag auf Erlaß einer bezirks- oder ortspolitischen Vorschrift, da in dem Vertrag des Vereins mit dem Fortsamte Ramsau bereits die Forderung enthalten ist, nämlich:

„Die Aufstellung von Bienenvölkern im Umkreis von 6 km von der eingerichteten Belegstelle ist verboten.“

 

 

9.12.1937        Mit dem Fortsamte Ramsau wird ein neuer Vertrag

 

hinsichtlich der Belegstelle Raggert mit Forstbezirk Hintersee abgeschlossen.

Die Forstnebennutzungsgebühr wird auf jährlich RM 5 festgesetzt.

Der Vertrag vom 2 August 1922 tritt damit außer Kraft.

 

 

 

28.12.1937     Landwirtschaftsrat Schreiber gibt bekannt:

 

Die bisher von der Regierung und Obb zur Bekämpfung der Milbenseuche erlassenen Vorschriften für den Bezirk Berchtesgaden müssen als Grenzgebiet auch ferner noch bestehen bleiben, da leider infolge der mangelhaften Durchführung der Bekämpfung der Milbenseuche in Lande Salzburg immer noch die Gefahr besteht, daß auch die Milbenseuche in Berchtesgaden wieder auftreten kann.

Diejenigen Bienenzüchter, die im nächsten Jahre die Belegstelle benützen, und Königinnen zum Versand bringen, müssen selbstverständlich Bienen ihrer Völker zur Untersuchung einsenden.

Diese erhalten dann bei negativem Befund die Unbedenklichkeit Bescheinigung. Die oberpolizeilichen Vorschriften sind für unsere Zuchtbestrebungen keinesfalls hinderlich.

Von den Bienenständen, in welchen seinerzeit die Milbenseuche positiv festgestellt wurde, müssen ebenfalls Proben zur Untersuchung eingesandt werden.

 

 

21.01.1938

 

Nach Mitteilung des Reichsverbandes deutscher Kleintierzüchter sind nunmehr im dienstlichen und außerordentlichen Verkehr die Vorsitzenden der Untergliederungen, d.s Bfgr. Rfgr. Und Ofgr. mit „Vorsitzer“ zu bezeichnen.

 

 

15.03.1938      Standbegehung

 

Die Ortsfachgruppe Imker Berchtesgaden erlößt Richtlinien für die Standbegehung; letztere ist eine notwendige und wirksame Maßnahme des Reichsnährstandes zur imkerlichen Leistungssteigerung für die Erfüllung des Vierjahresplanes. Innerhalb der Jahre 1938, 1939 und 1940 sind sämtliche Bienenstände zu überprüfen. Der Standbegehr soll sein ein mit tiefen Kenntnissen und reichen Erfahrungen ausgestatteter Imkerfreund, der raten und helfen kann. Der Ortsfachgruppe- Vorsitzer erstellt ein genaues Verzeichnis, ein 2tes reicht er bis zum 30.4.1938 dem Kreisfachwart ein. Die Standbegehr sind so auszuwählen, daß größere Festkosten nicht anfallen (Sätze für Motorrad 10 Pfg je Km, für Auto 13 Pfg. je Km)

Nachträglich wird hinzu bemerkt, daß der Bienenzuchtverein Berchtesgaden schon im Sept. 1925 an den Kreisverein von Obb. Den Antrag stellte. Institutionskurse für Standbesuche zu errichten. Der Antrag fand aber auf der Vertreterversammlung zu Fürstenfeldbruck am 9.9.1925 nicht die erforderliche Zustimmung.

 

 

11.4.1938

 

Nach einem Inserat im Berchtesgadener Anzeiger fanden diesm Tage im Neuhaus zu Berchtesgaden eine Imkerversammlung statt; Näheres darüber konnte nicht ermittelt werden.

 

 

9.07.1938 Landwirtschaftsrat Schreiber hört das Drohnenvolk

 

auf der Belegstelle Raggert an; anwesend sind noch Josef Stocker, Vorsitzer Knoll, Belegstellenleiter Komposch.

 

 

Juli 1938

 

Der Vorsitzer der Lfgr. Bayern und Beirat der Rfgr. Studiendirektor Birklein gibt bekannt:

„Jeder Imker ein Volk mehr.“

Das ist der Weckruf der Rfgr. Imker an die gesamte deutsche Imkerschaft. Der Ruf ist klar und jedem verständlich. Mit diesem Ruf will die Rfgr. Imker ein Doppeltes erreichen:

1.     Es soll in Deutschland die Zahl der Bienenvölker so stark vermehren, daß der Bedarf des deutschen Volkes an Honig und Wachs aus heimatlicher Scholle gewonnen wird.

2.     Jeder einzelne Imker soll auf die Vermehrung von leistungsfähigen Bienenvölkern bedacht sein. Damit sein Bienenbetrieb volkswirtschaftlich wertvoll und auch rentabel wird.

 

 

10.10.1938

 

Scheidet infolge eines Unglücksfalles Hr. J. L. Holzinger Schmiedemeister im Berchtesgaden, ohne das Bewußtsein noch einmal erlangt zu haben, aus dem Leben. Er war nicht nur ein eifriger Imker, schon als Gründungsmitglied und später als Ausschußmitglied vertrat er mit Begeisterung die Interessen des Vereines; wann immer man seine Hilfe brauchte, stellte er sich gerne und freudig zu Verfügung.

Wir werden seiner stets im Ehren gedenken.

 

 

15.10.1938

 

Der Präsident der Rfgr. Imker Dr. Filler erläßt an die Ortsfachgruppen folgende Aufruf:

Die Ortsfachgruppen- Vorsitzer werden aufgefordert, dafür zu sorgen, daß für diejenigen Imker, die zu Übungen oder zur Pflichtarbeit einberufen sind und die ihre Bienen daher vom Wanderplatz nicht zurückholen, einfüttern und einwintern können, zuverlässige Imkerkameraden die Betreuung übernehmen.

Wenn einer aus unseren Reihen für die Interessen des Reiches berufen ist, müssen die Kameraden in die Bresche springen und aushelfen. Hier ist die Gelegenheit, unsere Einsatzbereitschaft zu beweisen. Es darf kein Bienenvolk verloren gehen.

 

 

01.11.1938

 

Belegstellenleiter Komposch sieht sich veranlaßt, wegen Wohnungswechsel von seinem Amte zurückzutreten.

Nach Mitteilung des statistischen Landesamtes in München betrug die Zahle der Bienenvölker nach der jeweiligen Züchtung:

 

 

 

Jahr der Zählung

 

Zahl d. Völker in Bayern

           Davon in

 

Reichenhall

Stadtkreis

 

 

Berchtesgaden

Landkreis

  Landkreis Bercht.

 

 

    Stabilbau

 

 

 

Mobilbau

1935

447640

243

1846

288

1558

1936

532273

261

1799

313

1446

1937

488941

285

1868

210

1658

1938

499022

238

1908

133

1775

 

Aus vorstehender Zusammenstellung ergibt sich, daß die Zunahme an Bienenvölkern ganz Bayern 51382= 11,5% betrug, während sie im Landkreis Berchtesgaden nur 62= 3,3% ergab.

 

 

5.01-8.01.1939    5. Reichskleintierausstellung im Leipzig

 

An dieser Ausstellung beteiligte sich auch Hr. v. Hardt in Königssee. In dem Bericht über diese Veranstaltung schreibt die Leipziger Bienenzeitung Jhrg. 1939 Seite 58:

Die Roja Bayern gab ein Zahlen und kartenmäßiger Bild von seiner Bienenwirtschaft…große und reizende Bilder von der Großbienenzucht von Hardt am Königssee und der benutzten Belegstelle Nr. 253 Raggert erfreuen des Imkers Herz.

Eines dieser reizenden Bilder findet sich bereits im Jahrgang 1938 der „Bayr. Biene“ Seite 241 abgebildet; darunter stehen die Worte:

Belegstelle Raggert-Hintersee der „Bienenzucht Königsee bei Berchtesgaden“ Gleichzeitig brachte auch der „Deutscher Imkerführer“ 12 Jahrg. 1938/39 Seite 238 2 Bilder aus der Bienenwirtschaft Heinrich von Hardt Königssee bei Berchtesgaden 1.Belegstelle Raggert,     2. Der Bienenstand (Bilder von Hardt)

Die Ortsfgr. Berchtesgaden erblickt in dieser Form eine Irrenführung und stellt damit fest, daß Hr. v. Hardt nie Inhaber der Belegstellen Raggert ist, nie Inhaber dieser Belegstelle werden kann, dieselbe vielmehr nach wie vor alleiniges Eigentum des Imkervereins Berchtesgaden ist und bleibt. Hervor wurde Hr. v. Hardt durch den Vorsitzer der Ofgr. Berchtesgaden Hr. Knoll verständigt. Nachdem die Bilder, wie vorerwähnt, bereits in der November-Nummer unserer Fachzeitschriften enthalten sind, die Ausstellung aber erst 2 Monate später stattfand, darf wohl angenommen werden, daß Hr. b. Hardt den Einspruch des Hr. Vorsitzer Knoll sinngemäß beachtete.

 

 

1.02.1939

 

Im Verzeichnis der bisher von der Reichsfachgr. Imker anerkannten Bellegstelle als Reinzuchtbelegstelle nach dem Stande o. 1.02.1939 abgedruckt im „Deutscher Imkerführer“ v. Jahr 1939 Seite 365 findet sich erstmals auch unsere Belegstelle Nr.253 Raggert – Inhaber: Ortsfgr. Berchtesgaden, Zuchtrichtung: K. Sklenar 253.

 

 

20.03.1939      Einfuhrverbot:

 

Neuerdings wird bekannt gegeben, daß das Verbot der Einfur von Bienen o. 15. Juli 1924 entgegen anderslautenden Gerüchten nach wie vor weiterbesteht. Der Hr. Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat auch durch seinen Erlaß o. 2.6.1939 die Richtigkeit dieser Auffassung bestätigt. Dieser Erlaß lautet:

Die Einfuhr von Bienen in das Deutsche reich ist durch meine Verordnung o. 15. Juli 1924 verboten. Nach §11 des Zollgesetzes o. 20.3.1939 bleibt diese Verordnung auch für die Einfuhr aus Österreich in Kraft. Ausnahmen sind meiner Genehmigung vorbehalten.

 

 

11.6.1939        Versammlung im Neuhaus-Saale zu Berchtesgaden:

 

Diese Versammlung war sehr zahlreich besucht. Der Vorsitzer Hr. Knoll konnte eingangs sen Vorsitzer der Reichsfgr. Für Obb. Hr. Hettinger aus Ingolstadt begrüßen und äußerte gleichzeitig den Wunsch, es möchte der Verlauf der Versammlung zu einem guten Resultat führen und den Zwistigkeiten auf der Belegstelle Raggert ein Ende bereiten.

Anlaß zu diesen Streitigkeiten gab wiederum Hr. v. Hardt, Königssee schon im Vorjahr 1938 begann Hr. v. Hardt wieder sein eigenmächtiges, der Belegstellenordnung zuwider laufendes Handeln auf der Belegstelle, indem er- die Belegstelle war inzwischen beträchtlich erweitert und eingezäunt worden- die Hälfte dieser für sich in Anspruch nahm; er ging sogar soweit, mitten durch die Belegstelle einen Drahtzaun zu erstellen, den zu überschreiten dem Belegstellenleiter ausdrücklich verboten sein sollte. Gegen diese unerhörte Zumutung erhob der Belegstellenleiter schärfsten Protest und da alle Versuche, zu einer Einigung zwischen v. Hardt und der Ofgr. bzw. dem zuständigen Chef der Belegstelle zu kommen fehlschlugen, würde der Streitfall dem Hr. Vorsitzer der Rfgr. Obb. Hettinger mit dem Ersuchen, die Sache zu schlichten, unterbreitet. Die Angelegenheit führte zu einer lebhaften Auseinandersetzung, in der der bisherige Belegstellenleiter Komposch nicht einen Deut von seiner Forderung abwich. Da noch Ansicht des Hr. Hettinger das Recht zweifellos auf Seite des Belegstellenleiters lag, entschied Hr. Hettinger, wie folgt:

·        Der mitten durch die Belegstelle gezogene Drahtzaun muß sofort entfernt werden.

·        Der Belegstellenleiter darf bei Ausübung seiner Pflichten in keiner Weise beeinträchtigt werden.

Mit diesem Entschied war dann auch der mehrjährige Zwist endgültig entschieden und beseitigt.

Ortsgruppen-Vorsitzer dankte Hr. Hettinger für sein energisches eingreifen und den gerechten Entschied. Er schloß die anregend verlaufene Versammlung mit dem Wunsche, es möchte für die Zukunft wieder ein völlig friedliches und erfolgreiches Arbeiten an der Belegstelle Raggert möglich sein.

 

 

21.8.1939        Die Hauptvereinigung der deutschen Eierwirtschaft hat am 17 Aug. des Jahres in ihrer Anordnung Nr. 15/39 folgende Bestimmungen getroffen:

 

      I.         Das Feilbieten von Honig und das Aufsuchen von Honigbestellungen in Herumziehen ist untersagt.

     II.         Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung werden mit Ordnungstrafen bis zu RM 10 000 im Einzelfall bestraft.

   III.         Diese Anordnung tritt am 21. Aug. 1939 im Kraft

Daher ist ein schwerer Mißstand in der Bienenwirtschaft noch jahrzehntelangen Ringen beseitigt worden. Die gesamte deutsche Imkerschaft ist der Hauptvereinigung der deutschen Eierwirtschaft für diese Hilfe sehr dankbar.

 

 

1.09.1939        Einfuhrverbot von nackten Bienenvölkern:

 

Laut der oberpolizeilichen Vorschriften zur Bekämpfung der Bienenkrankheiten der Regierung von Obb. Ist die Einfuhr von nackten Bienenvölkern nach Obb. Nur mit Zustimmung des Landwirtschaftswartes für Bienenzucht in Obb. Gestattet.

Der Vorsitzer der Rfgr. Für Obb. Hr. Hettinger macht deshalb darauf aufmerksam, daß vor der Bestellung solcher Völker zuerst die Genehmigung bei dem Sachverständigern einzuholen ist. Zuwiderhandlungen können nach Maßgabe der gesetzlichen Vorschriften bestraft werden.

 

 

1.09.1939       Beginn des Kriegs

 

30.03.1940     Bekanntmachung über Ablieferungspflicht für deutsches Bienenwachs

 

§1

1.     Der Beschlagnahme auf Grund der Anordnung Nr. 13 der Reichsstelle Ghemia unterliegt das bei den Imkern auffallende Bienenwachs einschließlich der Abfälle und Trester;

2.     Die Mengen, die zur Weiterführung des Imkereibetriebes notwendig sind, können ohne die nach §2 der Anordnung Nr. 13 erforderliche Genehmigung verbraucht werden.

 

§2

Das bei den Imkern anfallende Bienenwachs ist an die von der Reichtsstelle Ghemia zugelassen Aufkäufer abzuliefern.

 

 

4.04.1940        Durchführungsbestimmungen:

 

      I.         Der Beschlagnahme unterliegen Bestände an Mittelwände, Bienenwachs, Abfällen an Wachs und Trester ohne Rücksicht darauf, ob sie aus eigener Erzeugung stammen oder durch Kauf oder Tausch vorhanden sind.

     II.         Auch zur Weiterführung des Imkereibetriebes notwendig sind folgende Mengen anzusehen:

1.     Mittelwände in einer der Zahl vorhandenen besetzten Bienenkästen entsprechenden Menge;

2.     Alle Scheibenhonigwaben;

3.     400g Reinwachs je Kastenvolk zur Herstellung von Mittelwände;

4.     Bis zu 1000g Reinwachs je neu aufgestellte Bienenvolk zur Selbstherstellung von Mittelwänden.

 

 

28.04.1940      Versammlung im Neuhaus zu Berchtesgaden:

 

Es sprach Landwirtschaftsrat Schreiber aus München über das Thema: Mehr Liebe - mehr Honig!

Seine interessanten Ausführungen gipfelten der Feststellung, daß nur der Bienenzüchter, der eine wahre Liebe zu den Bienen hat, der das Ideale, das Schöne des Bienenvolkes bei allen seinen Handlungen voranstellt, Erfolge erzielen wird, die man sich erwartet. Der Imker aber, der das Materielle der Bienenzucht in den Vordergrund stellt, stellt auch all seine Handlungen, ohne Rücksicht auf das feine Leben der Bienen zu nehmen, darauf ein, er arbeitet gefühllos und ein gefühlloses Arbeiten bringt keinen Erfolg.

 

 

 

 

18.05.1940      Aufruf des Präsidenten der RDKl:

 

In der Stunde des höchsten völkischen Einsatzes wollen wir deutschen Imker dem deutschen Volke, insbesondere den Verwunderten, den großen Verbrauchermassen, den Kinder, Geisen und Kranken unsern guten Honig sichern.

Unbeschadet des üblichen Honigabsatzes an Verbraucher und Kleinhandel stellen alle Imker der Rfgr. Imker dem Reichsverband deutscher Kleintierzüchter 3 Kg Honig je Bienenvolk zu der gerechten Preise zur Verfügung. Die zweckmäßige Verteilung gewährleistet die zuständige Marktorganisation, die Hauptvereinigung der deutschen Eierwirtschaft.

 

 

1.06.1940       Obmann für Bienenzucht:

 

Zur Erhaltung und Förderung sind für jeden Gemeindebezirk Bayern Obmänner als Vertrauenspersonen der Kreisbauernschaften aufgestellt worden. Der Name des Obmannist bei dem Ortsbauernführer zu erfragen. Die Obmänner haben insbesondere auch die Pflicht, für die Pflege der Bienen der im Felde stehende Imker zu sorgen.

 

 

September 1940

 

Der Hr. Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat der Rfgr. Imker einen Betrag angewiesen, der dazu dient, den Imkern die volle Vergütung der Zuckersteuer in Höhe von 0,21 RM je Kilogramm, also je Volk 1,57 RM zu sichern.

Der Hr Reichsminister hat aber zur Bedingung gestellt, daß zunächst die 5 Kg Zucker für die Herbsteinfutterung vergällt werden müssen. Kosten für das Vergällungsmittel (Clirosol) und die Vermischung in den Zuckerfabriken werden von der Rfgr. I. getragen. Frachtkosten für diesen vergällten Zucker wurden beträchtlich herabgesetzt.

 

 

20.09.1940                 der Vorsitzer der Ofgr. Imker Berchtesgaden gibt durch den Berchtesgadener Anzeiger bekannt:

 

Für das Jahr 1940 sind dem Imker wieder für jedes Volk 7,5 Kg Zucker zu verbilligen Preise zugesichert, auch wenn der Krieg noch länger dauern sollte. Diese Zusage ist für jeden besorgten Imker eine große Beruhigung. Doch besteht nicht mehr die Möglichkeit, im Bedarfsfalle am freien Markt Zucker zu kaufen. Deshalb gilt die Forderung, haushälterisch mit diesen 7,5 Kg Zucker zu verfahren. Jeder Imker muß sich fragen: Wie verwende ich diesen Zucker, um damit auszukommen, ohne daß die Bienen Not leiden?

 

 

5.10.1940

 

Wurde im Friedhof zu Tutzing am Starnberger See, der in ganz Bayern und weit darüber hinaus bekannte Oberregierungsrat und Landesinspektor a. D Karl Hofmann der stillen Erde übergeben.

Hofmann hatte wiederholt in unseren Vereinen, und vorher schon in Berchtesgaden und Reichenhall in Versammlungen gesprochen. Er war ein weiser Führer und Berater. Sein Leben war Arbeit und weil es Arbeit war, war es für ihm ein köstliches Leben. Die bayr. Imkerschaft neigt sich in Ehrfrucht und Dank für das was er der Bayrisches Bienenzucht gegeben und durch sein Wirken hinterlassen hat.

 

 

Oktober 1940                        Preise für bayrischen Bienenhonig:

 

Um da und dort aufgetretene Unklarheiten über die derzeitigen preisrechtlichen Vorschriften für den Verkehr mit bayr. Bienenhonig zu beseitigen, sei im nachstehenden kurz das Wesentliche zusammengefasst:

1.     Der Erzeuger kann bei Abgabe von Bienenhonig am Händler (gleichgültig, ob Aufkäufer, Großhändler oder Einzelhändler) je ½ Kg ab Hof RM 1- fordern. Dieser Preis gilt ohne Verpackung für offenen (nicht abgefüllten) Honig. Die Abgabe von abgefülltem Honig am Einzelhändler kann der Erzeuger RM 1,25 je ½ Kg (ohne Verpackung) berechnen, sofern der Steppreis (also der Preis vor Erlaß der diesbezüglichen Anordnung der Preisbildungsstelle v. 14.Juli.1939) nicht niedriger lag.

2.     Bei Abgabe von Honig unmittelbar vom Erzeuger an den Verbraucher darf der Preis RM 1,25 je ½ Kg (ohne Verpackung) nicht übersteigen. Dieser Preis gilt aber auch für nicht abgefüllten Honig, soweit dieser an den Verbraucher unmittelbar ab Hof abgegeben wird.

3.     Für Weißtannenhonig, Latschenhonig, Alpenhonig und Almenhonig, der im Alpengebiet und im unmittelbaren Alpenvorland gewonnen sein muß, kann ein Zuschlag von RM -15 je ½ auf die vorgenannten Preise berechnet werden.

            „Aus Die Byr. Biene 1940 Seite 151“