Abschrift der Vereinschronik von 1931 bis 1935

 

 

18.1.1931     Monatsversammlung im Hotel Krone:

 

Die Versammlung weist einen recht erfreulichen Besuch auf. Nach der üblichen Begrüßung und dem Wunsche, es möge auch das neu begonnene neue Jahr unsere Imkerhoffnungen weitgehendst erfüllen, zeigte Vorstand Komposch zunächst die durch zielbewusste Arbeit des deutschen Imkerbundes erreichten Erfolge des abgelaufenen Jahres 1930 auf. Er nannte die Gewährung steuerfreien Zuckers, die Erhöhung des Einfuhrzolles von 40Mark auf 65 RM, die

Einbeziehung der Bienenzucht in das landwirtschaftliche Notprogramm, Gleichstellung der

Bienenzucht mit anderen landwirtschaftlichen Zweigen durch Gründung eines

Reichsausschusses für Bienenzucht, Schaffung günstiger Verordnungen über Honig und Kunsthonig. Zu den einzelnen Erfolgen gab der Redner noch kurze Erläuterungen und meinte schließlich, dass das Erreichte sich recht wohl auswirken wird, ja muss. Hierfür schulden wir Imker neben dem D.I.V. ganz besonders dem Herrn Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft unseren aufrichtigsten Dank. Es wäre zu wünschen, fährt der Redner fort, dass die große Zahl der Imker, die unserem Verein noch fern stehen angesichts und eingedenk der großen, vorgenannten Erfolge des D.I.V. die Gründe ihre Abseitsstehens nochmals einer Prüfung unterziehen würden. Bei einigem guten Willen werden sie sehen, dass dieser derzeit so schwerwiegender Art sind und dass es jetzt in der Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs doppelt nötig ist, in die Reihen derjenigen einzutreten, die für den Fortbestand der Bienenzucht kämpfen, ja dass dies Pflicht und Ehre ist, statt Beileide zu stehen und sich die Frucht der Arbeit der Imkervereinigungen tatenlos in den Schoß fallen zu lassen. Möchten sich doch diese Außensteher endlich entschließen, unserem Verein beizutreten. Da eine größere Anzahl der Mitglieder bei den heute stattfindenden Skisportwettkämpfen als „Funktionäre“ bestellt waren, musste auf Wunsch von dem geplanten Vortrag abgesehen werden und schloß deshalb der 1. Vorstand vorzeitig die Versammlung.

 

 

 

26.4.1931     Generalversammlung im Hotel Krone:

 

Dieselbe erfreute sich eines sehr regen Besuches. Zu Beginn derselben gedachte der 1.

Vorstand Komposch des kürzlich verstorbenen Albrecht Sommer Senior, rühmte dessen Tätigkeit auf dem Gebiete der Bienenzucht mit dem Versprechen dem Verstorbenen stets ein ehrendes Gedenken zu bewahren. 

Anschließend wurde in die Tagesordnung eingetreten. Es wurde zunächst beschlossen, den Bienenzuchtverein Berchtesgaden für einen Bezirksbienenzuchtverein Berchtesgaden umzubenennen. Es sollte damit zum Ausdruck gebracht werden, dass unser Verein nicht ein Lokalverein ist, sondern sich auf die sämtlichen 11 Gemeinden des ehemaligen Distriktes Berchtesgaden erstreckt. – Weiters gab der Vorsitzende ein Ausschreiben des Bezirksamtes im B. Amtsblatt No.6 betreff Bekämpfung der Bienenkrankheiten bekannt, wobei er bedauerte, dass dieses Ausschreiben nicht in allen Gemeinden den Imkern auch zur Kenntnisnahme gebracht wurde. Es folgte nun Neuwahl der Vorstandschaft gemäß

Vereinssatzung. 1. Vorstand Komposch bat von einer Wiederwahl abzusehen. Ingenieur Salcher sprach Worte des innigsten Dankes und wies hin auf die großen Verdienste die sich der 1. Vorstand um die Hebung der Bienenzucht erworben (hat) und fordert die Mitglieder zur Wiederwahl des bisherigen Vorstandes auf. Diese erfolgte dann auch und zwar einstimmig. Auch der 2. Vorstand, Herr Knoll wurde wieder bestätigt. Für den zurückgetretenen Kassier wurde Bürgermeister Wegscheider in Ramsau und als Ausschussmitglieder die Herren Salcher, Trübenbacher, Gutsverwalter Reiner, Schwaiger (Giller) Aldenfeld einstimmig gewählt.

Die Kassenrechnung wurde von den Herren Salcher und Mendel revidiert und konnte dem bisherigen Kassier mit Worten des Dankes Entlastung erteilt werden. Es folgte nun ein ausführliches Referat seitens des Vorstandes Komposch über das 10jährige Bestehen des Vereines. Demselben ist zu entnehmen:

die Frage, ob wir das in §1 unserer Vereinsstatuten gestellte Ziel erreichten ist im

Allgemeinen zu bejahen. Die Zahl der Mitglieder war in den abgelaufenen 10 Jahren großen Schwankungen unterworfen. Während bei Gründung des Vereines die Zahl der Mitglieder 37 betrug, stieg diese namentlich in den Jahren 1922,1923 auf 142. Zuletzt 189, fiel dann aber zurück auf 59. Viele von den inzwischen wieder Ausgetretenen standen in unserer

Gefolgschaft als Zuckerapostel, als Zuckerknappheit und Zuckerrationierung sie verleitete, sich unserem Verein anzuschließen; sie waren so schnell wieder ausgeschieden, als sie gekommen waren. Als tief bedauerlich bezeichnete es der Referent, dass unter den Mitgliedern die einst so segensreich wirkenden Pioniere, Geistliche und Lehrer mit Ausnahme seiner selbst nun gänzlich fehlen. Umso erfreulicher sei es, dass sich dafür Männer aus allen Berufen gefunden haben, die auf die gesamten Gebiete der Bienenzucht fördernd und belehrend eingriffen. die zuletzt genannten 59 Mitglieder waren Besitzer von 497 Bienenstöcken, während der Gesamtbienenstand des ganzen Bezirks Berchtesgaden gemäß Zählung vom 1.12.1930 887 betrug. Für unseren gesamten Obstbau wie auch für die Landwirtschaft, soweit es sich um Samengewinnung handelt sei diese numerische Hebung der Volkszahl von größtem Werte; hinsichtlich des unmittelbaren Nutzens aber sei sie nur dann von gleich großem Werte, wenn sie sich auch in einem erhöhtem Ertrag erkennen lässt. In der Rentabilität der Bienenzucht gilt nicht die Zahl der Bienenstöcke, sondern die Leistungsfähigkeit zu erhalten und hierin ist noch viel zu schaffen und anzustreben. Die zur Erreichung einer höheren Leistungsfähigkeit im Jahre 1922 geschaffene Belegstelle wird leider noch viel zu wenig in Anspruch genommen. 

Man begnügt sich noch viel zu viel damit, aus allmöglichen Schwärmen überzählige Königinnen auszufangen, anstatt solche nur von besten Völkern, sog. Hünglern nachzuzüchten. Leistungszucht ist auch für die Bienenzucht unerläßlich. Übergehend auf die Bienenweide bedauert der Vortragende, dass gerade in der Landwirtschaft, die ja doch die größte Nutznieserin der Bienenzucht ist, geradezu in raffinierter Weise an der rastlosen Ausrottung unserer besten Honigspender gearbeitet wird. Für uns Imker sei es iein Glück, dass die Trachtverhältnisse in unserem gottesgesegneten Winkel weit besser sind als andernorts.

Schließlich sei noch hingewiesen auf den Honigverkauf und die eventuelle Förderung des

Honigverkaufs; gerade die letztere gehört mit zu den schwierigsten Forderungen der Gegenwart. Schwierigkeit im Honigabsatz gab es schon in früheren Jahren, nur traten sie uns nicht so deutlich vor Augen, wie dies heute der Fall ist. Dazu kommt, dass der deutsche Markt in erschreckender Weise mit Auslandshonig überschwemmt wird, wodurch die Inlandsware nahezu verdrängt wird. Wenn auch schließlich in unserem Berchtesgadener Winkel der Auslandshonig nicht so festen fuß zu fassen vermochte, so leidet doch unser Honighandel unter dem Einfluß deutscher, benachbarter Konkurrenten, die ihren Auslandhonig – der unserem guten, ja besten Gebirgshonig an Geschmack und Aroma weit nachsteht – oft zu Schleuderpreisen abzusetzen versuchen und dabei zum Schaden unserer Heimischen Imker auch ihre Abnehmer finden. Umso erfreulicher ist es, dass im Kampfe gegen den

Auslandshonig innerhalb unseres Vereines ein großer Teil der Mitglieder vollstes Verständnis und den festen Willen zur Mitarbeit zeigt. Das zeigte sich im Bezug auf die vom D.I. V.

geschaffenen Einheitsgläser; fanden doch innerhalb unseres Vereines nahezu 4000

Einheitsgläser ihre Verwendung. Der Bericht, der hier nur auszugsweise gegeben ist, schließt mit dem Wunsche, es mögen auch in den kommenden Zeiten die Imker sich dieser so wertvollen Waffe gegen den Auslandshonig bedienen, was zweifellos die Absatzmöglichkeit unseres deutschen Honigs mehr fördert als alles Geschimpfe über den Auslandshonig. 

Die Frucht dieses Vortrages war die Gründung einer Züchtergruppe, deren Führung der Oberbaurat a. D. M. v. Frieken (Schönau) übernahm. 9 Imker schlossen sich dieser sofort an.

Zum Schlusse dieser interessanten und äußerst anregenden Versammlung wurde noch der von

Weiß konstruierte „Berchtesgadener Stock“ in der gelegentlich der D.L.A. in Köln vereinbarten Abänderung (hängende Rähmchen) gezeigt und besprochen. In der lebhaften Aussprache, an der sich hauptsächlich die Herren Salcher, von Friecken, Stadler, Weber und

Komposch beteiligten, waren die Ansichten sehr verschieden. Es wurde beschlossen, Versuche zu machen. Mit Worten des herzlichsten Dankes schloß der 1. Vorstand die prächtig verlaufene Generalversammlung.

 

 

 

5.6.1931       Der deutsche Imkerbund gibt bekannt:

 

Die 2. Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung der Wirtschaft und Finanzen (Notverordnung) trifft die Bienenzucht in unerwartet harter Weise. In Rap. 2 wird die

Zuckersteuer von 10,50 RM auf 21.-RM je Doppelzentner erhöht. Dazu ist der §7Abs1 des Zuckersteuergesetzes in der Weise geändert, daß er statt „zur Tierfütterung“ heißt „zur Fütterung von Tieren mit Ausnahme der Bienen“. Damit ist auf dem Wege der

Notverordnung unter Ausschaltung des Reichstages die uns vor 2 Jahren wieder gewährte Zuckersteuerfreiheit genommen. Die neue Belastung beträgt 1,50 – 2RM für ein Bienenvolk, für die gesamte deutsche Bienenzucht 3-4 Millionen RM.

 

 

 

7.6.1931

 

In Schellenberg findet unter Leitung des Herrn Zollobersekretärs Franz Stadler ein Königinnenzuchtkurs statt, an dem 15 Imker teilnehmen. 

 

 

 

6.9.1931

 

Die diesjährige Vertreterversammlung des Oberbayrischen Kreisbienenzuchtvereines fand diesmal in Aichach statt. Als Vertreter dorthin war 1. Vorstand Komposch entsandt. Im Bericht des Kreisverbandes oberbayrischer Bienenzüchter steht u. a. zu lesen: In der

Hauptsache fanden sich die Bienenzüchter des nordöstlichen Teiles des oberbayerischen Kreises ein, aber es fehlten auch nicht die Vertreter von den Gebirgsgegenden Berchtesgaden, Miesbach u.s.w.

 

 

 

17.1.1932

 

Versammlung im Hotel Krone, die vorwiegend der Imkerschulung dienen soll. – Über den Verlauf derselben schreibt ein Mitglied des Bezirks - Bienenzuchtvereines Berchtesgaden in

No15 des „Berchtesgadener Anzeiger“ vom 20. Januar 1932 wie folgt:

Die am 17.1.1932 im Hotel Krone abgehaltene Versammlung wies ebenfalls wieder einen sehr erfreulichen Besuch auf. Es ist dies wohl einzig und allein auf die äußerst eifrige Tätigkeit des 1. Vorstandes, Herrn Hauptlehrer Komposch in Ramsau zurückzuführen, der es versteht, seinen Imkerschwarm stets so zusammenzuhalten und zu leiten, wie es wohl selten bei einem Verein der Fall ist. Nor wahre Liebe zur Sache und zur Bienenzucht kann solchen Opfermut aufkommen lassen. Herr Komposch hat durch seinen hervorragend ausarbeiteten, außerordentlich lehrreichen Vortrag: der Wärmehaushalt beim winternden Bienenvolk beweisen, dass er nicht nur ein praktischer Imker ersten Ranges, sondern auch ein Wissenschaftler auf dem Gebiete ist. Die Doktorarbeit hätte nicht besser beschaffen sein können, als dieser Vortrag war. – Da der 1. Vorstand versprach, dass in den nächsten Monaten noch mehr ähnliche Vorträge im Bezirks-Bienenzuchtverein Berchtesgaden stattfinden, wird schon heute allen Interessenten und Freunden der Imkerei wärmstens empfohlen, sich diese nicht entgehen zu lassen. – die Anregung des Herrn Ingenieurs Salcher … diesen Vortrag der breiten Imkerschar durch Abdruck in Imkerzeitschriften zur Kenntnis zu bringen, ist sehr zu begrüßen. Dem wackeren Vorstand und seiner Anhängerschaft Imker- und Siegheil!

                                                                                         Gez. Ein Mitglied

 

 

 

27.1.1932

 

Aus dem Bericht des Bezirks-Seuchenwartes an das Bezirksamt Berchtesgaden:

Das Jahr 1931 war für den gesamten Bezirk Berchtesgaden hinsichtlich der

Bienenkrankheiten das denkbar günstigste. Brachte schon der Winter den Beweis, daß bei keinem unserer Bienenvölker die Nosema-Krankheit zur gefürchteten Ruhr führet, so zeigte ganz besonders die Entwicklungszeit im Monat Mai, daß all unsere Völker gesundheitlich in bester Verfassung sind. Die Völker erstarken zusehends und reiften schließlich zu Höchst leistungsfähigen Honiglieferanten heran. Nur in einem Falle wurde ein außergewöhnlicher Leichenfall gemeldet, und zwar von Nachbarsbeuten vom Bienenstand des Herrn v. Friecken in Schönau. Aber auch hier zeigte sich, daß die Meldung stark übertrieben war, die Völker vielmehr in bester Entwicklung dastehen. Die nicht geringe Zahl flugunfähiger Bienen, die auf dem Boden umherkrabbelten und sich zu kleinen Häufchen zusammensammelten – sonst ein sicheres Anzeichen von Milbenseuche – waren Beinen mit nur halb ausgebildeten Flügeln. Es handelte sich hier um eine Brutverkühlung; bei dem plötzlich eingetretenen Kälteeinbruch infolge Zusammenziehens der Bienentraube kam ein Teil der Brut außerhalb des Wärmezentrums zu lieben, wodurch die körperliche Entwicklung der Brut stark gehemmt wurde. Nirgends trat die Milbenseuche oder die Faulbrut auf. Erfreulich ist, daß ein großer Teil der Bienenzüchter der Bauerneuerung große Aufmerksamkeit schenkt; es soll aber auch nicht verschwiegen sein, daß bei manchem Bienenhaltern noch eine rechte Schlamperei und Unreinlichkeit herrscht, wobei man sich nur wundern muß, wenn keinerlei Bienenkrankheiten sich auf diesen Bienenständen zeigen. Alles in allem: der Gesundheitszustand der Bienenvölker innerhalb des ehemaligen Distriktes Berchtesgaden gibt zu keinerlei besorgniserregenden Befürchtungen Anlaß.

 

 

 

21.2.1932     Monatsversammlung im Hotel Krone

 

Eingangs spricht der 1. Vorstand Komposch über die Milbenseuche im Nachbars-Bezirksamt

Laufen; er führt aus: wie erinnerlich sein wird, wurde im Januar 1925 durch Herrn

Landwirtschaftsrat Schreiber in Osing, Gemeinde Leobendorf, Landesgrenze Laufen die Milbenseuche festgestellt. Die befallenen Stöcke wurden damals abgeschwefelt und damit glaubte man die Gefahr der Weiterverbreitung unterbunden zu haben. – Im April 1928 mußte ich indes durch den „Berchtesgadener Anzeiger“ an die Imker eine Warnung ergehen lassen, dahingehend, bei Bedarf von Königinnen diese nicht aus dem Bezirke Laufen zu beziehen, da sich dort die Milbenseuche immer mehr und mehr auszubreiten scheine. Diese Warnung blieb auch heute noch in ihrem vollen Umfang; denn wie recht ich damals schon hatte, ergibt sich aus verschiedenen Jahresberichten der Landesanstalt für Bienenzucht in Erlangen, die ich hiermit kurz zur Kenntnis bringen möchte. Im Erlanger Jahrbuch 1928 lesen wir: Fälle von Milbenseuche waren unter den an die Anstalt eingesandten Proben nicht dabei. Dagegen zeigt der Bericht des Landwirtschaftsrates Schreiber 22 Milben-verseuchte Völker an, die alle einem Stande im Bezirksamt Laufen angehören. Und auf Seite 75 lesen wir: Im Grenzbezirk Laufen flackert trotz Gegenmaßnahmen die Milbenseuche immer wieder auf, nicht nur an den früher verseuchten Ständen, sondern nunmehr in einem weiter südwärts gelegenen Stand, ein Beweis dafür, wie hartnäckig sich die Milbenkrankheit hält, wenn sie sich einmal eingenistet hat.  Im Erlanger Jahrbuch 1930 heißt es: die Milbenseuche, die sich im Bezirk Laufen seit Jahren eingenistet hat, ist im Jahre 1930 nur noch an 4 Völker eines Standes der dortigen

Gegend festgestellt worden. Landwirtschaftsrat Schreiber hat an diesen 4 Völkern einen Versuch mit dem Fromschen Mibtol gewagt, das in der Schweiz mit gutem Erfolg angewandt wurde. Über das Ergebnis soll eine Untersuchung im Frühjahr 1931 Aufschluß geben. Wie Morgenthaler gelegentlich betont (Anzeige Bienenzeitung Heft 2 im Jahr 1931) wird ein gänzliches Ausheilen der Milbenkranken Völker kaum auf den ersten Ansturm gelingen. Erst nach wiederholter Behandlung kann mit vollständiger Milbenfreiheit gerechnet werden. Bis dahin aber müßte die Sperre noch aufrechterhalten werden. Im Bericht über

Bienenkrankheiten ist folgendes von Interesse: die Milbenseuche ist im Jahre 1931 elfmal und zwar ausschließlich in Oberbayern festgestellt worden. Während die Seuche bisher ausschließlich auf das Bezirksamt Laufen an der österreichischen Grenze beschränkt blieb, wurde sie nun auch im Bienenheim München festgestellt. Im Laufener Bezirk ist die Seuche neuerdings in dem 30km vom bisherigen Seuchenherd südlich gelegenen Antenberg festgestellt worden. Nach Mitteilung des Landwirtschaftsrates Schreiber fand der Bienenzüchter im Jahre 1929 bei Erntearbeiten in einem Kornacker einen Bienenschwarm, den er zuhause aufstellte. Im Jahre 1930 gab dieses Volk 3 Schwärme. Die schlechte Entwicklung der Völker im Jahre 1931 gab dem Bienenzüchter auf das Ausschreiben des

Bezirksamtes Laufen Veranlassung, sich an den Seuchenwart zu wenden. Das Verhalten der Bienen am Stande gab die untrüglichen Anzeichen der Milbenseuche. 2 Völker wurden total abgeschwefelt, bei dem 3. Volke wurde eine Vergasung durchgeführt. – Soweit die einschlägigen Berichte. 

Wir ersehen daraus also, dass mit der Milbenseuche nicht zu spaßen ist und möchte ich daher dringendst die Imker alle und insbesondere die Grenznahen ermahnen, zu jederzeit ein wachsames Auge auf seine Bienenvölker zu haben und jeden verdächtigen Fall sofort mir zu melden.

Anschließend gab der 1. Vorstand Herrn Oberbaurat a.D. von Friecken das Wort zu einem Vortrag über „das Luftbedürfnis im Bienenvolk“. Die an sich recht dürftigen Ausführungen des Referenten – er verlas lediglich einen kurzen Brief des bekannten Pfarrers Ludwig - erforderte eine wesentliche Ergänzung durch den 1. Vorstand Komposch. Die Versammlung endete ziemlich aufgeregt, da ein Mitglied (Herr v. Fr.) glaubte, Politik in die Versammlung werfen zu dürfen, was seitens des 1. Vorstandes entschieden, aber höflich abgelehnt wurde, mit der Begründung, dass Bienenzucht mit Parteipolitik nichts zu tun hat. 

 

 

 

21.4.1932

 

Das Bezirksamt Berchtesgaden gibt dem Bienenzuchtverein zur Kenntnisnahme, dass nach einer Mitteilung des Bay. Amtes Laufen vom 11.4.1932 34045 auf den Bienenständen der bayerischen Zollbeamten Peter Winkler und Fertsch in Freilassing die Milbenseuche festgestellt worden ist. Der verseuchte Stand befindet sich fast an der Saalach. Die

Milbenseuche scheint von Salzburg eingeschleppt worden zu sein, weil auf einem

Bienenstand in der Rost? Ein vollständiger Befall von Milbenseuche festgestellt worden ist. Die Sperrmaßnahmen wurden bekannt gegeben.

 

 

 

22.5.1932 Monatsversammlung im Hotel Krone:

 

Auch diese Versammlung erfreute sich wieder eines recht regen Besuches. 1. Vorstand Komposch hielt einem hervorragenden Vortrag über Entstehung und Behandlung des

Schwarmes, wofür ihn reicher Beifall der andächtig lauschenden Zuhörerschaft zuteil wurde.

Im weitern Verlauf wird auf den im Juni stattfindenden Köníginnenzucht - Lehrkurs in Schellenberg unter Leitung des Herrn Ing. Stadler Zoll-Obersekretär hingewiesen und zur regen Teilnahme eingeladen. – auch wird bekanntgegeben, dass die nächste Versammlung erst im Herbste stattfinden wird; Genaueres wird noch zu gegebener Zeit bekannt gegeben werden. Schließlich wird noch darauf hingewiesen, dass im Laufe des Sommers eine Standschau geplant ist mit der eine Prämierung des bestgepflegten Standes verbunden sein wird.

 

 

 

1.6.1932

 

In dem Belegstellenverzeichnis des Oberbayrischen Kreisbienenzuchtvereines findet sich unter No 7 auch die Belegstelle Raggert bei Hintersee aufgeführt. Es wird hier ausdrücklich festgestellt, dass genannte Belegstelle nach wie vor Eigentum des Bezirks Bienenzuchtvereines Berchtesgaden ist. Die Eintragung als Belegstelle des Oberb. Kreisvereines besteht somit zu Unrecht.

 

 

 

1.-3.6.1932

 

Findet an der Landesanstalt für Bienenzucht in Erlangen ein dreitägiger Lehrgang über Königinnenzucht statt. Aus unserem Verein nahm an diesem Kurs Herr Zollsekretär Franz Stadler in Schellenberg teil. 

 

 

 

12.6.1932

 

Wie im Vorjahre veranstaltete Herr Franz Stadler wiederum einen Königinnen-Zuchtkurs, an dem 17 Teilnehmer anwesend waren. Vorausgesand berichtete Herr Stadler über den Erlanger Zuchtkurs und nannte denselben den Jubiläumskurs, denn es war der 25. Lehrgang seit Bestehen der Anstalt, eine besondere Bedeutung kimmt diesem silbernen Zuchtkurs in sofern bei, als zu diesem der Präsident der Schweizer Königinnenzucht-Vereinigung, Herr H. Jürtrich erschienen war. Dieser erfahrene Mann auf dem Gebiete der Königinnenzucht habe sich in sehr anerkennenden Worten über die Einrichtung und die Leitung unserer

Musteranstalt und über die Erfolge der ... – und Rassenzucht im bayerischen Lande geäußert.

Dieses Urteil aus dem Munde eines so großen Fachmannes bekräftige den Gedanken aller Imker, die unter unserem großen Forscher und Praktiker Prof. Dr. Zander und seinen tatkräftigen Mitarbeitern schon Gelegenheit hatten, aus den praktischen und wissenschaftlichen Erfahrungen dieser Männer schöpfen zu können. Es sei ein unsagbares Glück für unsere Imkerschaft und des Zuchtwesens – so schlotz Herr Stadler seinen Bericht, dass gerade wir Bayern eine so erstklassige Anstalt und einen Prof. Dr. Zander unser Eigen nennen dürfen. Nach diesem kurzen Kursbericht begann der eigentliche Lehrgang, dem alle Teilnehmer mit sichtlichem Eifer und voller Aufmerksamkeit beiwohnten. Es darf erwartet werden, dass der Erfolg der Belehrung nicht ausbleibt.

 

 

 

1.10.1932     Der Landesverein Bayer. Bienenzüchter gibt bekannt:

 

Alle Bemühungen zur Beschaffung steuerfreien oder verbilligten Zuckers sind vergeblich gewesen. Der Herr Reichsfinanzminister hat für diesen Herbst endgültig abgelehnt.

 

 

 

20.10.1932   Das Bezirksamt Berchtesgaden gibt im Auftrage der Regierung v. Obb. bekannt:

 

Die Ministerial-Entschließung v. 25. Juni 1927 No  659b19 wird dahin abgeändert, dass

Bienenbesitzern, die ihre von der Milbenseuche befallenen Bienenvölker auf amtliche Anordnung vernichten müssen oder vernichten mussten, auf Antrag eine Beihilfe im Rahmen der noch verfügbaren Mittel dann gewährt werden kann, wenn sie sich schriftlich verpflichten, innerhalb von 2 Monaten nach durchgeführter Desinfektion keine neuen Bienenvölker aufzustellen. Diesbezügliche Gesuche sind an das Bezirksamt zu richte unter Angabe der Zahl der vernichteten Völker und des Wertes derselben.

 

 

 

18.12.1932

 

Der Berchtesgadener Anzeiger vom 17.12.1932 bringt in der Rubrik Lokales nachfolgenden

Hinweis: Auf die am Sonntag den 18. Dezember vorm. 10 Uhr im Hotel Krone stattfindende

Versammlung des Bezirks-Bienenzuchtvereines Berchtesgaden mit Vortrag über Durchwinterung der Bienen sei an dieser Stelle noch ganz besonders hinzuweisen. Die anerkannt glänzende Vortagsreihe des Herrn Vereinsvorstandes Komposch in Ramsau macht die Versammlungen stets zu einem Erlebnis für jeden Besucher; auch für Nichtmitglieder sind derartige Vorträge viel interessanter als so mancher Radio-Vortrag. Besonders jedem Bienenfreund, ob er nun Mitglied ist oder nicht, wird die Teilnahme an dieser Versammlung empfohlen. 

 

 

 

18.2.1933

 

Durch Verordnung über Zollveränderungen wurde der Zollsatz für Honig von 65.-RM erhöht.

 

 

 

 

April 1933 Kennzeichnungsverordnung:

 

Der Bundesvorstand hat in seiner Ostersitzung hinsichtlich der Ausführung der

Kennzeichnungsverordnung beschlossen: Um den Bestimmungen der

Kennzeichnungsverordnung zu genügen muss jeder Imker auf der dazu bezeichneten Stelle das Gewährverschlusses seine Firma oder diejenige, die den Honig in den Handel bringt, benennen. Diese gesetzliche Bestimmung kann auch durch Anbringung einer besonderen Kennmarke (Firmenmarke) erfüllt werden. Firmen und Kontrollmarkern dürfen aber nur auf der Rückseite der Gläser und zwar in gleicher Höhe mit den Flügelenden des

Gewährverschlusses und im gleichmäßigen Abstand an diesen angebracht sein. Der Deckel des Einheitsglases darf nicht beklebt werden.

 

 

 

8.6.1933       Verordnung über den Kleinverkauf von Bienenhonig:

 

Der Reichskommissar für Preisüberwachung verordnet:

§1. Bei dem Kleinverkauf von Bienenhonig in Behältnissen oder vorbereiteten Packungen ist auf diesen der Inhalt in kg oder Gramm der Verkaufspreis dieser Menge ohne Verpackung, der sich aus diesen Angaben errechnete je Pfund der Ware und er Preis des Behältnisses oder der Verpackung anzugeben.

§2 Die nach §1 vorgeschriebenen Angaben müssen von außen und auf der Vorderseite der

Packung oder des Behältnisses sichtbar sein und in einheitlicher Schrift von gleicher Schriftgröße zusammenhängend erfolgen. Die Angaben sind in jeder Art (Stempelaufdruck, Tintenaufschrift, auch auf besonderer Klebemarke) zulässig.

§3 die Verordnung gilt nicht für Behältnisse mit einem Inhalt von weniger als 50 Gramm. §4 Die Verordnung tritt am 1. Juli 1933 in Kraft.

 

 

 

 

18.8.1933     Der DIB teilt mit:

 

Der Reichsminister der Finanzen hat dem Reichsminister für Finanzen und Ernährung und

Landwirtschaft für das ganze Reich 100 000 RM durch Freigabe eines bisher gesperrten Haushaltstitels zur Verfügung gestellt, um ihn instand zu setzen, den Bienenzüchtern in Fällen besonderer Notlage, insbesondere in von Unwettern heimgesuchten Notstandsgebieten in Einzelfällen eine Beihilfe zu gewähren. Hiervon wird Bayern nur anteilsmäßig, je nach der besonderen Notlage bedacht werden.

 

 

 

 

 

8.12.1933        Zur Gleichschaltung wird verordnet:

Die Imker sind als Reichsfachgruppe mit halbstündiger Geschäfts- und Kassenführung dem Reichsverband Deutscher Kleintierzüchter eingegliedert und damit an den Reichsvorstand, Hauptabteilung 2 angegliedert. Das bedingt auf allen Stufen der Organisation engste Zusammenarbeit mit Reichsverband und Reichsnährstand. Das Führerzwingig stellt die Verantwortlichkeit der Vorsitzenden der einzelnen Gliederungen klar heraus mit dem Entscheidungsrecht nach unten und der Gefolgspflicht. Die Bundes = Kreis = u. Ortsfachgruppe sind keine rechtsfähigen Vereine, sondern Gliederungen der Reichsfachgruppen.

Es gibt keine Wahlen, sondern nur Berufungen durch die vorgeordnete, in der Satzung genau bezeichnete Persönlichkeit. Sämtliche Berufungen unterliegen dazu dem Bestätigungsrecht des Präsidenten des Reichsverbandes.

Zur Bewärtung sowie Unterstützung des Vorsitzenden einer Volksfachgruppe bei Erfüllung seiner Obliegenheiten können Beiräte ernannt werden, von denen einer zum stellvertretenden Vorsitzenden ernannt werden kann. Entsprechen können zur Beratung besonderer Fachgebiete Obmänner bestellt werden, z.B. für Bienenweide, Königinnenzucht, Beobachtungswesen, Kassenführung usw.

 

 

17.12.1933      Monatsversammlung im Hotel Krone

 

Zu Beginn der heutigen nur mäßig besuchten Versammlung gab der erste Vorstandt zunächst bekannt, daß in der noch näher zu bestimmen, den Versammlungen im Januar Herr Brandwirtschaftswart Schreiber aus München über die Ziele der Imkerorganisation im Dritten Reich ein ausführliches Referat geben wird; es sei zu wünschen das zu diesem Treffen mehr Versammlungsteilnehmer sich einfinden werden als dies bedauerlicherweise heute der Fall ist.

Anschließend sprach Vorstand Komposch noch über den bisherigen Verlauf des Winters für unsere Bienen und ging dann über auf das eigentliche Thema der heutigen Versammlung: „Was muss der Imker von der Versicherung wissen?“

Zum ausführlichen Vortrag war zu entnehmen: Es ist heutzutage eine Pflichtvergessenheit wenn jemand sich nicht versichert gegen Haftpflicht, Feuer, Einbruchsdiebstahl. Es ist eine große Rücksichtslosigkeit gerade von mit Glücksgütern nicht gesegneten Menschen, wenn Sie Ihre Umgebung in Gefahr bringen. Mit einem einzigen Unglücksfall kann auch ein Vermögen vor den Ruin gestellt werden. Es muss sich nicht gerade um ein Menschenleben handeln, es genügt schon, wenn ein Pferd durch einen Bienenschwarm schwer geschädigt oder gar getötet wird. Hier leistet unsere Versicherung bei dem geringen Prämieneinsatz, der im Jahresbeitrag von 3 Reichsmark mit inbegriffen ist, eine Entschädigung bis zu 10000 Reichsmark. Bei Personen geht eine solche bis zu 100 000 Reichsmark. Alljährlich gilt es eine große Reihen von Schäden zu regulieren und noch nie kam es Dank des großen Entgegenkommens der Gothar Versicherungsgesellschaft zu Differenzen. Für eine kleine Nachversicherungsgebühr von 2 Reichsmark zu 1000 Reichsmark kann sich ein Einzelimker oder Verein noch höher versichern lassen. Anträge sind hierfür beim Ortsverein zu erhalten.

 

Referent ersucht die Bienenzüchter, soweit nicht schon geschehen, in ihrem eigensten Interesse, von dieser sehr vorteilhaften Sonderversicherung Gebrauch zu machen, denn die Erfahrungen der letzten Zeit haben gezeigt, dass es unbedingt notwendig ist, dass sich jeder Bienenzüchter gegen die so häufig auftretenden Schadensfälle sichert; es ist zu spät und zwecklos, sich erst dann zur Versicherung zu melden, wenn der Schaden schon eingetreten ist. Diese Zusatzversicherung gilt aber nur für Mitglieder.

Nicht Angehörige einer Imkerorganisation und damit auch des Landesvereins können all die Versicherungsbegünstigungen aus Haftpflicht, Feuerversicherung und Einbruchsdiebstahl nicht genießen. Anschließend an diese allgemeinen Erklärungen geht der Vortragende auf die eigenen Versicherungen ein und erläutert dass des näheren, unter welchen Umständen eine Entschädigung gewährt, eventuell auch versagt werden kann. Ganz besonders muss beklagt werden, jeden Schadensfall innerhalb von zwei Tagen = 48 Stunden beim Vertrauensmann des Versicherungswesens (Schroffe: Eduard Hettinger in Ingolstadt nördliche Glereitstraße 43) sofort zu melden u. Z. Direkt; denn durch die Anmeldung beim örtlichen oder Landesverein treten immer Verzögerungen ein, wodurch die Anmeldefrist von 48 Stunden stets überschritten wird.

Der Redner dankt den Anwesenden für Ihre Aufmerksamkeit und schließt die Versammlung mit herzlichsten Wünschen für das kommende Jahr 1934.

 

 

7.1.1934          Hauptversammlung im Hotel Krone in Berchtesgaden

 

Die Versammlung des Bezirks = Bienenzüchtervereins war zwar gut besucht aber leider sollten einige Mitglieder und der Besuch der noch ausstehenden Imker ließ, wie auch schon in früheren Versammlungen zu wünschen übrig. „Alle Mann an Deck“ wäre aber das Lösungswort zur Vervollständigung und dennoch neuen Grundlagen auszubauenden Bezirksverband der Berchtesgadener Imker. Vorstand Komposch begrüßt mit warmen Worten den Fachberater für Bienenzucht in Oberbayern, Herrn Landwirtschaftsrat Schreiber, welcher dann in einem sehr ausführlichen Vortrag mit treffenden Worten die Ziele der Imkerorganisation im 3. Reich zergliederte. Er sagt: Die Bienenzucht ist den landwirtschaftlichen Organisationen nicht mehr nur angegliedert sondern eingegliedert. Das sichert Ihr endlich die durch den großen direkten und indirekten Nutzen für das allgemeine Volkswohl gebührende Stellung. Die Wahl nach dem Führer... nicht mehr stattfinden dürfen, wurde auf allseitigen Wunsch der so bewährte und unermüdliche bisherige Vorstand Komposch um die Weiterführung der Vereinsgeschäfte gebeten. Seine Zusage trotz vorheriger Niederlegung des Vereinsvorsitzes erweckte großen Beifall und wird sicher auch die Bestätigung des landwirtschaftlichen Bezirksleiters finden, sodass dem Verein auch ein weiteres Gedeihen gesichert ist, bzw. ermöglicht wird.

Referent fährt weiter: Neben der Verbesserung der Bienenweide ist in Zukunft noch mehr als bisher der Nachzucht bewährter Bienenstämme mit besonderem Nachdruck zu bedienen. Die neue Vorstandschaft wird gerade für diese Notwendigkeit besonders energisch eintreten müssen.

Wie verlautet muss sich in Zukunft jeder Imker seiner örtlichen Organisation anschließen; darum lieber noch freiwillig in die Reihen des Bezirksbienenzuchtvereins Berchtesgaden eintreten, wo das Hauptaugenmerk auf die so nötige Imkerschulung gelegt wird.

Es ist zum Wohle jedes einzelnen, zum Aufbau unserer Wirtschaft und zur Verdrängung der Auslandshonigeinfuhr unbedingt notwendig, daß noch 25% des Honigbedarfs in Deutschland mehr erzeugt werden müssen. Darum: Fest ans Werk, das deutsche Geld muss in Deutschland bleiben. Das ist die Aufgabe des Imkers, der Imkerschaft des deutschen Reichs und diese muss und wird gelingen.

Reicher Beifall folgte den vortrefflichen Ausführungen des Herrn Schreibers, dem der Vorsitzende auch den innigsten Dank zum Ausdruck brachte.

Nun gab Herr Schreiber noch Gelegenheit an ihn Fragen zu stellen, falls noch Unklarheit bestehen sollte; es meldeten sich noch verschiedene Imker.

Auch für die … Vorlesung dankte der erste Vorstand und beschloss damit die Versammlung mit dem Wunsche, Herrn Landwirtschaftsrat Schreiber wieder recht bald in unserer Mitte zu sehen.

 

 

15.1.1934        Berufung des Vorsitzenden und der Beiräte

 

Der nächst vorgesetzten Organisation wurden nach benannten Personen im Vorschlag gebracht.

Vorsitzender: Max Komposch, Hauptlehrer in Ramsau.

Beiräte: Franz Stadler, Zollsekretär in Schellenberg, zugleich stellvertretender Vorsitzender und Obmann für das Königinnenzuchtwesen.

Math. Reiner, Gutsverwalter im Vierradlehen, zugleich Obmann für Bienenweide,

Kenner Knecht in Bischofswiesen, zugleich Kassenwart.

Obmann für das Beobachtungswesen; M. Komposch in Ramsau wie bisher.

 

 

22.2.1934

 

Eine der gefährlichsten Bienenkrankheiten, die Milbenseuche nähert sich unserem Vereinsbezirk. Während sie in Österreich nahe der bayerischen Grenze schon seit Jahren seit eine der schlimmsten Geiseln der dortigen Bienenstände anzusprechen ist, blieb Bayern von dem Befall in Laufen und München abgesehen – nahezu völlig verschont, bis vor ganz kurzer Zeit sich ein weiterer Seuchenherd in dem Orte Mellek, ebenfalls nahe der österreichischen Grenze (einer) auftrat.

 

 

3.1934            Der deutsche Imkerbund e.V. Bundesgruppe Bayern gibt bekannt:

 

Für das Gebiet eines Bezirksamtes oder einer unmittelbaren Stadt muss ein ausgebildeter Seuchenwart vorhanden sein. Wo dies noch nicht der Fall ist, ist dafür Sorge zu tragen, dass noch im Laufe diesen Jahres ein geeigneter Imker als Seuchenwart ausgebildet wird.

Der derzeitige Seuchenwart für das Bezirksamt Berchtesgaden, Hauptlehrer Komposch hat vor Jahren schon an einem Seuchenkurs in Erlangen teilgenommen u. Z. Vom 24. - 26.4.1930. Man sehe auch nach auf Seite 57 dieser Chronik.

 

 

13.5.1934       Monatsversammlung im Hotel Krone:

 

Anwesend: Landwirtschaftswart Schreiber aus München. Nach der üblichen Begrüßung erklärt 1. Vorstand Kamposch dass es für ihn in Folge der Berufung als Bürgermeister der Gemeinde Ramsau immer schwieriger wäre, auch die Belange des Bienenzuchtvereins so zu meistern, wie es eben geschehen soll, wenn der Verein auch wirklich etwas leisten soll. Über kurz oder lang würde wohl sein Rücktritt ernsthaft in Erwägung gezogen werden müssen.

Sofern er sich aber auch fürderhin der Mithilfe des Herrn Landwirtschaftswartes Schreiber erfreuen dürfe, sei der Rücktritt noch in die Ferne gerückt.

Er danke jetzt schon Herrn Schreiber für sein Erscheinen und bat, nun mit dem Referat zu beginnen.

Herr Schreiber führte ungefähr folgendes aus:

Vieles haben die Bienenzüchter der heutigen Regierung zu verdanken; es sei mir z.B. die Erhöhung des Zolles für die Einfuhr von Auslandshonigs genannt. Diese Erhöhung des Zolles bewirke eine bessere Absatzmöglichkeit unseres heimischen Honigs. Aus diesem Grunde aber entsteht für die Imker die Pflicht, die Maßnahmen der Regierung gewissenhaft zu unterstützen durch Mehrerzeugung von Honig. Dabei ist aber zu bedenken, daß nicht die Vermehrung der Bienenvölker allein es ist, dies zu erreichen, sondern es müsse erst die Qualität der Bienen durch Auslese und Hochzucht zur Höchstleistung gebracht werden. Die Bienenzucht wir nie Schuldner des Bodens, sie hebt nur die Schätze der Natur, die sonst versiegen und verloren gehen.

Eindringlich empfiehlt der Referent, die Belegstelle fleißig zu benützen, Königinnenzucht zu betreiben, denn nur vollwertige Königinnen garantieren den Erfolg.

Den sachinteressanten Ausführungen des Herrn Schreiber wurde lebhafter Beifall gezollt und der Dank hierfür durch den 1. Vorstand zum Ausruck gebracht.

Große Freude löste das Versprechen des Herrn Referenten aus, auch weiterhin nach Möglichkeit wieder nach Berchtesgaden kommen zu wollen.

 

 

4.6.1934         Im Berchtesgadener Anzeiger Nr. 126 vom 4.6.1934 steht zu lesen:

 

Honigdieb:  Ein gemeiner Diebstahl wurde vor einigen Tagen an einem Bienenstand in der Nähe der Pension Geiger begangen, der im Besitz des Hofgartenarbeiters Pfnür ist. Die unbekannten Täter haben die Bienen vergast und über 1 Zentner Honig gestohlen. Die Bienenvölker sind heute noch so wild, daß man sich nicht in die Nähe der Stände wagen darf.

 

 

21.6.1934       Eingliederung in den Reichsnährstand

 

Durch Anordnung des Beauftragten des Reichsbauernführers für die Eingliederung sämtlicher Zuchtverbände in den Reichsnährstand vom 21. Juni 1934 wurde der Landesverein Bayerischer Bienenzüchter in den damaligen Reichsnährsand Hauptabteilung II angegliederten Reichsverband deutscher Kleintierzüchter e.V. eingegliedert. Dadurch ist der Landesverein Bayerischer Bienenzüchter aufgelöst.

Mit dieser Auflösung verschwindet auch der Bezirksbienenzuchtverein Berchtesgaden – es gibt nunmehr eine Ortsfachgruppe Imker Berchtesgaden.

 

 

15.7.1934

 

 Seitens des deutschen Imkerbundes, Landesgruppe Bayern e.V. wird dem 1. Vorstand des Bezirksbienenzuchtvereines Berchtesgaden Hauptlehrer Komposch in Ramsau die Übernahme des Führervorstands im Kreisverein für Bienenzucht in Oberbayern angeboten. Das Angebot mußte im Hinblick auf bereits anderweitige Indiensthaltung (1. Bürgermeister in Ramsau ) einesteils und andernteils die Führung des Kreisvereins ein gehäuftes Maß von Arbeit bringen würde, abgelehnt werden.

 

 

1.11.1934        Nachdem die Satzungen der Reichsfachgruppe Imker nun herausgegeben sind, ergaben sich für die Ortsfachgruppe Imker folgende Aufgaben:

 

  1. Durchführung der von Reichfachgruppe angeordneten Maßnahmen:
  2. Im Auftrage und nach den näheren Bestimmungen der Reichsfachgruppe Imker die laufende Geschäfts- und Kassenführung, sowie die Verwaltung des örtlichen Vermögens der Reichsfachgruppe Imker, ausgenommen Veräußerung oder Belastung desselben.
  3. Förderung der Belange der Bienenzucht und der Mitglieder ihres Gebietes nach den Richtlinien der Reichsfachgruppe Imker in enger Fühlungsnahme mit dem Vorsitzenden der zuständigen örtlichen Gliederungen des Reichsverbandes deutscher Kleintierzüchter sowie in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den beteiligten Stellen des Reichsnährstandes;
  4. Beratung der Mitglieder in züchterischen und wirtschaftlichen Fragen sowie Festigung des Zusammenhaltens der Mitglieder der Reichsfachgruppe Imker.

 

 

6.1.1935         starb Frau Maria Fegg,

 

genannt Weißbach Madei aus Schellenberg. Mit ihr verlor die Ortsfachgruppe Imker Berchtesgaden eine ihrer eifrigsten und tüchtigsten Imkerinnen, die an keiner Versammlung fehlte. Wer immer sie in ihrem Bienenstand antraf, mußte staunen über ihre Liebe zu den Bienen, die sie wirklich aus ganzem Herzen hegte und pflegte, man konnte ihren Bienenstand ohne Übertreibung einen Muster-Bienenstand nennen. Als Zeichen des Dankes und der Anerkennung erhielt Frau M. Fegg am 16.10.1927 die Ehrennadel des Landesvereines Bayerischer Bienenzüchter. Sie erreichte ein Alter von 86 Jahren. Die Ortsfachgruppe Imker Berchtesgaden wird der Entschlafenen stets Ehren gedenken.

Die „Bayerische Biene“ Jahrgang 1935 bringt auf Seite 113 ein Bild von Weißbach-Madei, sitzend vor ihrem Bienenstand wie sie zwei Rheinländer für die Bienenzucht begeistert.

 

 

17.2.1935       Frühjahrsversammlung im Hotel Krone:

 

Der 1. Vorstand Komposch eröffnete die Versammlung mit einem Gedenken an die vor 6 Wochen verstorbene Frau Maria Fegg aus Schellenberg, schilderte sie als eine der eifrigsten Imkerinnen des Berchtesgadener Landes; ihrer werde die Ortsfachgruppe stets in Ehren gedenken. - die Anwesenden hatten sich von ihren Sitzen erhoben.

Anschließend sprach der Vorstand über „Der Imker in der Erzeugungsschlacht“. Dem Vortrag war zu entnehmen: Reichsernährungsminister und Reichsbauernführer Darré hat auf dem letzten Reichsbauerntag zu Goslar im Herbst 1934 zur Erzeugungsschlacht aufgerufen. Diese stellt die Gesamtheit aller Maßnahmen und Betätigungen dar, die für eine allgemeine und durchgreifende Verbesserung und Steigerung der landwirtschaftlichen Bodenerzeugnisse durchgeführt werden müssen. Zweck der Erzeugungsschlacht will sein, zu verhindern, daß die Zukunft des Staates gesichert sei hinsichtlich der Brotversorgung und der Ernährung des Volkes überhaupt. Es ist nationale Pflicht der gesamten Landwirtschaft betreibenden Bevölkerung und damit auch der Imker, mit allen Kräften die Erzeugungsschlacht zu einem großen und nachhaltigen Erfolg zu bringen.

Zweifach ist die Aufgabe hierbei, die man der deutschen Bienenzucht vorgelegt hat, nämlich

  1. den Honig und Wachsbedarf des deutschen Volkes soweit als möglich aus eigener Kraft zu decken und
  2. die Samenerzeugung in der Land- und Gartenwirtschaft durch ausreichende Blütenbestäubung durch die Bienen zu decken.

Hier mitzuhalten muß Wunsch und Wille eines jeden Imkers sein. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen weist der Redner darauf hin, auf die Überschwemmund des Inlandes mit dem so billigen Auslandshonig. Ehedem durchlebte Deutschland eine allgemeine wirtschaftliche Blütezeit; dann aber kam der Krieg, und mit ihm kamen Jahre des Hungers, der Hungerblokade, der Lebensmittelknappheit und der Rationierung. Jetzt wurde der Honig auf einmal ein vielbegehrtes Nahrungsmittel. Zwischen Nachfrage und Angebot tat sich eine große Lücke auf, in die treu und bieder der Auslandshonig rutschte, ohne dass wir Imker dies merkten oder verhindern konnten. Da eine Unterbindung des deutschausländischen Honighandels ( als Warenaustauschhandel ) auf keinen Fall in Frage kommt, vielmehr nur in gesunde Bahnen gelenkt werden soll, ergibt sich von selbst die Frage, was hat der Imker zu tun, um dieser Forderung gerecht zu werden?

Vorausschickend will gesagt sein, dass wir Imker stets mit großen Ernteschwankungen zu rechnen haben. Wir Imker hängen viel zu viel von Wind und Wetter ab, was der Erfolg der Erzeugungsschlacht von vornherein in Frage stellt. Das also soll und darf uns nicht hindern, mutig ans Werk zu gehen. Der Weg führt uns dabei über die Bienenweide zur Leistungsprüfung und zur Leistungszucht. Die Aufgaben, die sich dem Imker hierbei ergeben, sofern er den vorgezeigten Weg gehen will, sollen in gesonderten Vorträgen dem einzelnen Imker klar vor Augen gestellt werden. Zu Punkt 2., Samenerzeugung sei kurz gesagt, daß wir nur dann zu einem merkbaren Erfolg kommen werden, wenn wir darauf bedacht sind, zu der Zeit, da all die einschlägigen Nutzpflanzen in voller Blüte stehen, auch die für die Bestäubung hauptsächlich in Frage kommenden Blütenbestäuber, die Bienen in ausgiebiger Zahl vorhanden sind.

Das wird aber nur dann der Fall sein, wenn der Imker stehts darauf sieht, schon frühzeitig starke, leistungsfähige Bienenvölker zu besitzen. Letzteres wird sich aber nur dann zeigen, wenn der Imker schon im vorausgegangenen Jahr stets bestrebt war, nur Völker mit vielen Jungbienen in den Winter zu nehmen. Auch davon soll in einer späteren Versammlung und zur gegebener Zeit gesprochen werden.

 

 

17.2.1935

 

In unmittelbaren Anschluß an die Versammlung übergibt der 1. Vorstand Komposch die Führung der Volksfachgruppe Imker Berchtesgaden dem gelegentlich der Gleichschaltung als Vertreter des Vorsitzers berufenen Herrn Franz Stadler in Schellenberg mit der Begründung, wegen hochgradiger Nervosität vorerst nicht mehr in der Lage zu sein, für die Volksfachgruppe Imker zur Verfügung zu stehen.

 

 

6.3.1935

 

Nach Mitteilung des Sachverständigen für Bienenzucht, Landwirtschaftsrat Schreiber in München hat die veterinärpolizeiliche Untersuchungsanstalt in Schleißheim auf einem Bienenstand in Obersalzberg des Vorhandensein der Milbe einwandfrei festgestellt. Somit ist nun auch diese ungemein gefährliche Bienenseuche in unseren Bezirk gekommen. An uns Imkern liegt es nun, die Maßnahmen zu ergreifen und durchzuführen, die erforderlich sind, eine Weiterverbreitung des Seuchenvorgangs und damit eine weitere Ausdehnung des Seuchengrades zu verhindern.

 

18.3.1935 Die auf Montag, den 18.3. nachmittags 1 Uhr im Neuhaus-Saal stattfindende außerordentliche Aufklärungsversammlung für Imker war diesmal vom Bezirksamt einberufen und für alle Imker, Mitglieder und Nichtmitglieder verpflichtend. Den Vorsitz führte Regierungsrat Dr. Stoll am Bezirksamt Berchtesgaden. Die Versammlung war trotz des ungünstig ausgewählten Tages sehr gut besucht.

Man konnte daraus erfahren, daß alle Imker von dem Ernst der Lage erfaßt sind und die Gefahr erkennen, die unserer Bienenwirtschaft droht. - Unser sehr bewährter Kreissachverständige Herr Schreiber verstand es, die Versammlungsteilnehmer durch einen außerordentlich fesselnden Vortrag in Spannung zu halten. Er zergliederte das Wesen und die Entstehung dieser verehrenden Seuche mit treffenden, auf den ____ leicht begreiflichen Worten. Man konnte aus seiner eigenen Anteilnahme ersehen, daß ihm das Wohl der Berchtesgadener Bienenzucht sehr am Herzen liegt und daß er der unbedingt geeignete Mann auf seinem Posten ist, der seinen Beruf nicht nur als Dienst auffasst, sondern auf von tiefem Idealismus für das Wohl der Imkerschaft und der Bienen ergriffen ist. Die alten Kämpfer der Bienengilde kennen ja Herrn Landwirtschaftsrat schon von vielen früheren Vortragungen her. Ersichtliche Freude löste unter den Imkern die Zusage aus, in nächster Zeit in unserem Bezirk noch einen 2tägigen Bienenzuchtlehrkurs abzuhalten. Als Kurstage wurden der 3. und 4. April festgelegt.

Die bezüglich der Seuchenfeststellung in unserem Bezirk notwendig gewordene Einsammlung der Bienenproben ist in allen Gemeinden Dank der eifrigen Tätigkeit der dazu bestimmten Vertrauensmänner fast restlos durchgeführt. Es ist dies als ein gutes Vorzeichen anzusehen, daß der Wille unter allen Imkern vorherrscht, den Kampf gegen die unseren Bienen drohende Bienenseuche aufzunehmen. Auf die in den nächsten Tagen bekanntwerdenden gesetzlichen Maßnahmen über die im Bezirk angeordnete Zwangsschutzvergasung aller Bienenvölker ist genauestens zu achten. Die Anordnungen der Vertrauensmänner sind pünktlich und gewissenhaft durchzuführen. Es bleibt uns dann die frohe Hoffnung, die Gefahr zu bannen und unsere Bienenzucht vor dem drohenden Untergang zu retten. Die im Verhältnis zur großen Gefahr nur kleine Mühe wird sich reichlich lohnen. In der gleichen Versammlung wurden als „Hilfsseuchenwarte“ ausgewählt:

 

        M. Reiner, Vierradlehen

        M. Weber, Sudmeister Berchtesgaden

        M. Sachenbacher, Siegllehen

        Joh. Hasenknopf, Breitenbach

        Jos. Stocker, Vogelrast

        Jos. Fischer, Kugelmühle

        Pfnür, Au

        Stadler, Schellenberg

 

 

24.3.1935        Landwirtschaftsrat Schreiber teilt auf meine (Komposch!) Anfrage mit,

 

daß von seiner Seite aus nach Bekanntwerden der Milbenseuche am Obersalzberg sofort alle Maßnahmen zur Bekämpfung derselben eingeleitet wurden. Bedenken, daß durch eine Begasung Bienenbrut zu Grunde geht, bestehen nicht. Die Vergasung lässt sich jetzt noch leicht durchführen, wenn wir nochmals kaltes Wetter erhalten.

 

 

30.3.1935        Erlaß einer Bezirkspolizeilichen Vorschrift:

 

Das Bezirksamt Berchtesgaden erläßt auf Grund des Art. 67 Abs. 2, PxrG 3 §21, Abs 2 usw. folgende Verordnung:

Zur durchgreifenden Bekämpfung der im Amtsbezirke Berchtesgaden herrschenden Milbenseuche sind alle im engeren Amtsbezirke Berchtesgaden stehenden Bienenvölker unter Aufsicht des amtl. Sachverständigen für Bienenzucht im Amtsbezirk Berchtesgaden oder der von ihm Beauftragten, die für jede Gemeinde bereit bestellt wurden, in den nächsten Wochen einer Schutzvergasung zu unterwerfen.

 

§2

Zum Zwecke der Erfassung der Bienenvölker, auf die sich die Schutzvergasung erstreckt, haben die Ortspolizeibehörden umgehen namentlich alle Bienenzüchter mit der Zahl der vorhandenen Bienenvölker zu melden.

 §3

Vor der Vergasung sind aus den Bienenhäusern alle Geräte, die nicht zum Bienenzuchtbetrieb dienen, zu entfernen.

 

§4

Aus dem engeren Amtsbezirk Berchtesgaden dürfen bis zur Aufhebung des Verbotes keine Bienenvölker, Königinnen, Bienenschwärme und Waben ausgeführt werden. Auch ist das Wandern mit Bienen verboten.

 

§5

Zuwiderhandlungen werden nach ein eingangserwähnten Bestimmungen bestraft.

 

§6

Die Vorschriften treten mit der Bekanntmachung in Kraft /:B.A.Blatt N:7 v. 4. April 1935:/

 

 

3./4.4.1935        Bienenzucht – Lehrkurs

 

Wie angekündigt fand am 3. und 4. April in Stangaß ein Bienenzuchtlehrkurs statt. Obwohl das Wetter nicht günstig war und am Stande selbst nichts gezeigt werden konnte, war es doch ein überaus lehrreicher Vortrag, den Landwirtschaftsrat Schreiber vor etwa 35 Teilnehmern in 2 Tagen abwickelte. Man merkte wohl, wie der Säugling der Bienenzucht neben den alten, langjährigen Imkern mit größtem Interesse den Ausführungen folgte. Angefangen vom Leben der Biene wurde gezeigt, wie alles seinen geordneten Lauf in einem Bienenvolk geht um nicht im geringsten davon abzuweichen. - Groß war der Dank, den die Kursteilnehmer und vor allem Herr Reiner für die Ortsfachgruppe Imker, Berchtesgaden dem Sachverständigen Herrn Schreiber brachte. Und berechtigt ist der Wunsch aller eifrigen Imker, es möge für jeden Schulgarten die Errichtung eines, wenn auch kleinen Bienenstandes verpflichten sein, um vor allen die Jugend mit der Bienenzucht vertraut zu machen und sie zu überzeugen, welch großen Wert die Bienen für unser deutsches Vaterland hat. Hoffentlich kommt nun öfters ein Fachkurs nach Berchtesgaden um auch jenen Interessenten die Möglichkeit zu geben, aus solchen Vorträgen zu schöpfen, die aus diesem oder jenem Grunde an beiden Kurstagen nicht teilnehmen konnten.

 

 

27.6.1935           Versammlungssperre:

 

Walter Darré fordert an: Im Hinblick auf die Erntearbeiten und im Hinblick darauf, daß die intensive Arbeit, welche die letzten Jahre dem Reichsnährstand auferlegten, eine Schonung der Arbeitskräfte bedingt, fordere ich hiermit an, daß auf allen Gebieten, für welche der Reichsnährstand oder die ihm angeschlossenen Verbände verantwortlich sind, jede Veranstaltung, Arbeitstagung, die über den Rahmen einer gewöhnlichen Dienstbesprechung hinausgeht, usw. in der Zeit vom 1. Juli bis zum Ende des diesjährigen Reichsparteitages zu unterbleiben hat. Somit sind auch alle Imkerversammlungen, Lehrkurse usw. verboten.

In der „Bayerischen Biene“ vom Jahre 1935 August: Nummer Seite 177 schreibt F. Himmer an der Landesanstalt für Bienenzucht in Erlangen im Zuchtbericht Bayern 1934:

Die Voraussetzung für die Entstehung von Reinigungsgebieten ist eine Stammverteilung im ganzen Lande. Die Reichsfachgruppe beabsichtigt daher, den im Reichsvorhandenen Zuchtstämmen bestimmte Zuchtgebiete zuzuweisen.  Bei uns in Bayern überwiegt der Stamm Nigra; daneben gibt es nur noch einige Bockelstämme und in wenigen Fällen den Stamm 47.

Aufgrund der bestehenden Verhältnisse ergibt sich aber folgende Verteilung:

Oberbayern: Mit Ausnahme des Berchtesgadener Gebietes Stamm Nigra, das Berchtesgadener Land hat den Trainer Stamm 47. Im Interesse unserer bayrischen Landeszucht wäre es gelegen, wenn sich auch die Züchter von Lokalstämmen entschließen könnten, die Zuchtrichtung auf den Stamm Nigra umzustellen. Es bleibt ja jedem Züchter freigestellt, in der Nachzucht durch planmäßige Auslese jene Eigenschaften daraus zu züchten, die er für seine Zwecke und für seine Gegend für besonders wichtig hält. Der Stamm Nigra hat sich als außerordentlich anpassungsfähig erwiesen.

 

 

10.1935           Verordnung über den Handel mit Bienenhonig:

 

Auf Grund der Verordnung über die Befugnisse des Reichskommisars für Preisüberwachung v. 8.12.1931 in der Fassung v. 15.4.1932 wird verordnet:

 

                                                                       §1

Soweit Bienenhonig in Gläsern oder anderen Kleinverkaufspackungen mit einem Inhalt von mehr als 50 gr bis zu 1000 gr in Verkehr gebracht wird, dürfen die Gläser oder Packungen nur einen Inhalt von 1 kg, ½ kg, ¼ kg oder 1/8 kg haben.

 

                                                                       §2

Die Verordnung über den Kleinverkauf von Bienenhonig vom 8.6.1933 findet keine Anwendung auf Gläser oder Packungen, welche den Vorschriften des §1 entsprechen.

 

                                                                       §3

(1)   Zuwiderhandlung gegen die Vorschrift des §1 können von den zuständigen Preisüberwachungsgesellschaften mit Ordnungsstrafen bis zu 1000 Reichsmark für jeden Fall der Zuwiderhandlung bestraft werden.

(2)    Für das verfahren gelten die Bestimmungen des Abschnitt 4 der Verordnung über Honigüberwachung v. 11. Dez. 1934.

                                                                        §4

Die Verordnung tritt mit dem auf die Verkündung folgenden Tag in Kraft. Bis zum 15. Mai 1936 können jedoch die bei der Verkündung dieser Verordnung vorhandenen Gläser oder Packungen, die den Vorschriften des §1 nicht entsprechen, aufgebracht werden.

 

Danach sind hinfort – mit einer Übergangszeit bis zum 15.5.36 – mir die in Deutschland üblichen Gewichtsgrößen gestattet. Die Irreführung des Verbrauchers durch falsche Glasgrößen hört damit auf.Es fällt mit sofortiger Wirkung auch für alle Gläser, die den Vorschriften des §1 der Verordnung entsprechen, also für unser Einheitsglas, der Zwang zur Beifügung eines Preiszettels fort.

 

 

16.10. 1935                Ein Blitz aus heiterem Himmel

 

Das Bezirksamt Berchtesgaden sendet dem Bürgermeister in Ramsau ein an dieses Amt gerichtete Schreiben des Herrn Landwirtschaftswart Schreiber vom 12. Okt. 1935 bzgl. Bekämpfung der Milbenseuche zur Stellungnahme, daß folgenden Wortlaut hat: In allernächster Zeit werden von der Regierung von Oberbayern zum Zweck der Bekämpfung der Milbenseuche Zwangsvergasungen angeordnet.

Die Durchführung dieser Vergasung verspricht aber nur dann einen Erfolg, wenn dieselbe unter einheitlicher Leistung steht. Der Vorsitzende der Bezirksfachgruppe Imker für den Bezirk Berchtesg., Herr Hauptlehrer Komposch wird dienstlich nicht in der lage sein, die Arbeiten so zu überwachen, wie es zu einer einwandfreien Durchführung erforderlich ist. Das Gleiche gilt auch für Herrn Oberinspektor Knoll des Finanzamtes Berchtesg.

Ich Stelle deshalb das Ersuchen, die Durchführung der Bekämpfung der Milbenseuche auch für den Bezirk Berchtesgaden dem zuständigen Bezirksgärtner, Herrn Holzer zu übertragen, da er ja auch die Bekämpfung der Seuche als zuständiger Bezirksseuchenwart für den Bezirk Reichenhall leitet.

Anlässlich der Aufklärungsversammlung v. 18.3. a. lfd. J. in Berchtesgaden wurden bereits für einzelne Gemeinden Seuchenwarte aufgestellt, es hat sich aber bei der Probenentnahme gezeigt, daß für ältere Herren die Arbeit zu beschwerlich ist; es dürfte sich deshalb empfehlen, soweit als möglich die im Bezirk tätigen Baumwärter zu betrauen, die ja beruflich dem Bezirksgärtner an und für sich unterstellt sind.

Ich ersuche die Benennung der Seuchenwarte möglichst bald durchzuführen und die Bitte anher einzusenden.

 

 

31.10.1935

 

Die bezirks-bayr.-Ortsfachgruppe Berchtesg. R. Schr. Gibt zu obigen Antrag des Herrn Schreiben ihre volle zusage; sie ist damit völlig einverstanden, wenn bei der vorzunehmenden Vergasung der Bienenvölker Hr. Bezirksgärtner Holzer aus Reichenhall die Oberaufsicht erhält. Als Hilfsseuchenwart werden für den engeren Bezirk Berchtesg. die Baumwarte:

 

Zechmeister Josef sen. und jun. beide Ramsau

Pfnür Josef, sen. und jun. beide in Bischofswiesen

Hölzl Anton in Scheffau

 

Aus dem vorerwähnten Schreiben des Sachverständigen für Bienenzucht war zur allgemeinen Überraschung zu ersehen, daß der Glaube, der auf dem Obersalzberg festgestellten Milbenseuchenfall sei, die im April durchgeführte allgemeine vergasung der Bienenvölker restlos beseitigt und damit eine Weiterverbreitung dieser gefährlichen Seuche gebannt, hat sich als fehlerhaft erwiesen. Wie weit sich die Seuche in der Zwischenzeit ausgebreitet hat, davon erhalten wir in erschreckender Weise Kunde durch die oberpolizeiliche Verordnung der Regierung v. Obb vom 3. Nov. 1935. Ich lasse auch diese Verordnung im vollen Wortlaut hier folgen:

 

 

3.11.1935        Oberpolizeiliche Vorschriften zur Bekämpfung der Milbenseuche

 

 

Die bedrohliche Ausbreitung der Milbenseuche der Bienen veranlaßt die Regierung von Obb. eine durchgreifende und planmäßige Bekämpfung der Seuche durchzuführen.

In der zeit vom 1.-30. Sept. 1935 wurden festgestellt im Verwaltungsbezirk Laufen 31, Berchtesg. 14 Seuchenfälle. Altötting 2 Seuchenfälle. Die Gefahr der Weiterverbreitung ist in erheblichem Umfange gegeben. Als beste Maßnahme zur Einhaltung der Weiterverbreitung hat sich eine Schutzvergasung mit dem Drow`schen Mittel bewährt. Es hat den Vorzug, sicher zu wirken, einfach in der Anwendung u. billig zu sein. Im Bezirk Laufen wurde im Vorjahr diese Vergasung bereits in großem Umfange mit Erfolg durchgeführt. Die Einzelheiten des Vergasungsvorganges sollen hier nicht geschildert werden; es erfolgt nach der Anleitung zur begasung mit dem Drow`schen Mittel zwegs Bekämpfung der Milbenseuche, wovon Abdrücke beiliegen. Die Durchführung erfolgt durch Bezirksbienen- oder Bezirksseuchenwarte u. dem entsprechend angelernten Hilfspersonal, die unter Leitung des Bezirksarztes nach gemeinsamer Einweisung des Bienensachverständigen bei der Regierung von Obb. die Vergasung vornehmen. Die Ziffern 1,2,8 der Beiliegenden Anleitung sind von den Imkern genau zu beachten. Wenn diese Voraussetzungen beachtet werden, ist die Vergasung für die Bienenvölker gefahrlos. Die Kosten für die Begasung eines Bienenvolkes werden 20 Rpfg betragen; hiervon werden bestritten die Materialien einschließlich des Begasungsmittels u. die Kosten der Durchführungsorgane. Kosten für den Bezirksarzt, den Landwirtschaftsrat für Bienenzucht u. für die veterinärpolizeiliche Anstalt erwachsen nicht.

Die kosten von 20 Pfennigen je Volk können noch verringert werden durch Zuschüsse der Bezirksfachschaft ( früher Bezirksbienenzuchtverein)   u. nach Möglichkeit auch durch einen Kreiszuschuß. Die auf jedem Imker treffenden Kosten werden diesem mitgeteilt u. ihm bei der letzten Vergasung eingehoben. Es empfielt sich in den einzelnen Bezirksfachschaften Versammlungen anzuberaumen, die der Verbreitung für die Vergasung dienen. Die Terminfestsetzung ist umgehend imBenehmen mit dem Landwirtschaftsrat zu veranlassen, die Bezirkstierärzte werden vom 1.12.1935 bis 12.1936 monatlich über den stand der Schutzbegasung an die Regierung v. Obb. berichten.

                                                                                                                      Gez. Gareis

 

 

25.11.1935                

 

Die sämtlichen Bürgermeister der Gemeinden des engeren Bezirkes Berchtesg. Erhalten vorausgeführte ortspolizeiliche Vorschrift der Regierung v. Obb. mit dem Auftrag, sie sämtlichen in der Gemeinde wohnenden Bienenzüchter zu eröffnen u. gleichzeitig darauf hinzuweisen, daß die Schutzbegasung eine Zwangspflicht ist u. eine Zuwiederhandlung mit entsprechender Strafe bedroht ist.

Gleichzeitig ist den Bienenzüchtern auf Anordnung des Bezirksamtes mitzuteilen, daß am Sonntag den 1. Dez. 1935 vormittags 10 Uhr im Neuhaus-Saal zu Berchtesg. Eine Aufklärungsversammlung stattfindet, daran Besuch zur Pflicht gemacht wird.

 

 

28.11.1935                 Der Reichs- u. preußische Innenminister

 

 

Für Ernährung und Landwirtschaft hat mit Erlaß vom 28. Nov. 1935 eine Verbilligung von Bienenzucker gewährt u. wurden zu diesem zwecke 1,5 Millionen Reichsmark auch dem Auskommen der Hauptvereinigung deutscher Zuckerwirtschaft zur Verfügung gestellt. Die Verbilligung kommt nur Mitgliedern der Fachgruppe Imker zu, nicht aber auch Nichtmitgliedern.

Für diese Verbilligungsmaßnahmen wurde erlangt, daß die bewilligten Mittel auch zur Senkung der Erzeugniskosten für den Honig führen sollen. Gleichzeitig wurde bestimmt, daß pro Volk 15 Pfund abgegeben werden, wovon allerdings schon 5 Pfund im Frühjahr in Händen der Imker kommen.

Der preis erniedrige sich pro Doppelzucker von 16 RM oder 8 Reichspfennig pro Pfund. Damit haben wir mehr erreicht als mit unserem langjährigen Rufe nach steuerfreiem Zucker, der nur eine Verbilligung von 10,50 RM gebracht hätte.

 

 

29.11.1935                 Der Berchtesg. Anzeiger bringt in deiner Nr. 275 folgenden Hinweis:

 

 

Seit Monaten ist unsere heimische Bienenzucht von einer der gefürchtetsten Bienenseuchen heimgesucht, es ist die Milbenseuche. Ihre Gefährlichkeit geht schon daraus hervor, daß durch diese Seuche in England, in der Schweiz u. im benachbarten Österreich nicht nur ganze Stände, sondern ganze Landstriche ihrer Bienenvölker nahezu gänzlich beraubt wurden.

Was bisher gegen diese Seuche getan wurde, ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Was nützt es, wenn einzelne Imker gewissenhaft u. willig den behördlichen Anordnungen Folge leisten, der Großteil der sog. Außensteher den Anordnungen völlig apathisch gegenüber steht? Es ist darum zu begrüßen, daß die Regierung von Obb. durch die oberpolizeiliche Vorschrift die Zwangsbekämpfung der Milbenseuche anordnete, indem eben alle Völker, auch jene der Nichtmitglieder einer Zwangsbegasung unterworfen werden. Wer sich dieser Zwangsbegasung entzieht, setzt sich schwerer Bestrafung aus.

Damit nun die Zwangsdurchführung in der Bekämpfung der Milbenseuche auch in der richtigen Art u. Weise vollzogen wird, hat das Bezirksamt für Sonntag vormittags 10 Uhr im Neuhaus-Saale eine öffentliche Aufklärungsversammlung anberaumt, zu der alle Bienenzüchter u. Bienenhalter zu erscheinen verpflichtet sind. Hier werden die Imker in allen Punkten Aufklärung erhalten u. es wird ihnen sodann ein leichtes sein, den behördlichen Anordnungen u. entsprechend der oberpolizeilichen Vorschrift zu handeln. Lasse s sich daher kein Imker einfallen, der Versammlung ferne zu bleiben. Komme jeder! Es geht um unsere Bienenzucht, um unseren Bezirk u. unser Vaterland.

 

 

1.12.1935                   Die heutige außerordentliche Versammlung

 

- vom Bay. Amt einberufen, erfreute sich einer ungewöhnlich starken Teilnahme seitens der Imker, es saßen Nichtmitglieder neben den Mitgliedern der Ortsfachgruppe Imker Berchtesg.

Anwesend war Herr Landwirtschaftsrat Schreiber aus München. Nach der üblichen Begrüßung wurden zunächst den Imkern noch einmal die oberpolizeilichen Vorschriften vom 3. Nov. 1935 zu Gehör gebracht u. entsprechend erläutert. Anschließend daran sprach der Herr Sachverständige für Bienenzucht, Schreiber ausführlich über die Gefahr, die unsere Bienenzucht im Bezirk Berchtesg. drohte und beschwor die Imker die Imker, sich nicht der unerläßlichen Zwangsmaßnahme, der Begasung seiner sämtlichen Bienenvölker, ganz gleich, ob krank oder gesund, zu entziehen. Was in anderen Bezirken, so namentlich im Bezirk Laufen als eine Selbstverständlichkeit gilt, muß auch in unserem Bezirke als „selbstverständlich“ betrachtet werden.

Tue jeder Imker seine Pflicht u. kein Imker lasse sich verleiten, sich den Anordnungen, die nun zu Nutz und Frommen der Imker u. ihrer Bienen getroffen sind, zu widersetzen.

Mit Orten des innigsten Dankes an den Herrn Referenten u. die Anwesenden für ihre bewiesene Aufmerksamkeit wurde die Versammlung geschlossen.

 

 

 

2.12.1935        Noch einmal weist das Bezirksamt Berchtesgaden im Berchtesgadener Anzeiger Nr. 277 nachdrücklich darauf hin,

 

daß sämtliche Bienenzüchter, auch wenn sie nur einen Bienenstock besitzen, genaue Anzeige beim Bezirksamte zu erstatten haben. Vor allem sind alle bei der letzten Zählung noch nicht erfaßten Bienenstöcke nachträglich im Laufe dieser Woche nachzumelden. Falls die Anmeldung unterbleibt, haben die Bienenstockbesitzer unnachsichtlich Strafe zu gewärtigen, da sie den sicheren Erfolg der demnächst beginnenden Zwangsbegasung sämtlicher im engeren Bezirke Berchtesg. vorhandenen Bienenstöcke gegen die Milbenseuche hintanhalten.

 

 

9.12.1935       

 

Beginnt in allen Gemeinden schlagartig die behördliche angeordnete Begasung sämtlicher Bienenvölker. Es ist erfreulich, daß nach Aussagen der Hilfsseuchenwarte auf keinem Bienenstande sich irgendein Widerstand bei der Durchführung der Zwangsmaßnahme zeigte.

Es steht zu erwarten, daß die Zwangsbegasung zu einem vollen Erfolg sich auswirken wird. Und so hoffen wir, daß das Ergebnis der durchgeführten Schutzmaßnahme für unseren Bezirk ein recht erfreuliches werde und lassen wir uns durch nichts dazu verleiten, die an uns gestellten Forderungen unbeachtet zu lassen. Es liegt das im Interesse unserer heimischen Bienenzucht und Bienen selbst, die zu erhalten auch mit zu den Aufgaben des Imkers in der Erzeugungsschlacht gehört.

 

 

31.12.1935             Im Monatsbericht für den Dezember schreibt der Obmann für das    Beobachtungswesen:

 

Die am 9. Dez. durchgeführte Zwangsbegasung zur Bekämpfung der Milbenseuche verlief, soweit sich jetzt erkennen ließ, ohne nennenswerte Nachteile für die Völker. Die Zehrung war etwas höher als sonst, der Leichenfall etwas über normal, zum Teil aber auch stark.