Mein erstes Bienenjahr geht zu Ende

Juliane bei ihren Bienenkästen, die mit Motiven der berchtesgadener Handwerkskunst bemalt sind

Die tiefstehende Spätsommersonne lässt die bunt bemalten Bienenkästen am alten Hausknechtlehen in einem warmen Licht leuchten und es liegt ein besonderer Frieden über diesem Ort. Das beruhigende Summen im Stock ist nur noch leise zu hören. Die letzten Imker Arbeiten am Bienenstock sind für dieses Jahr fast abgeschlossen.

Ich empfinde Ruhe und Dankbarkeit und blicke zufrieden und stolz auf mein erstes Imkerjahr zurück.

Ich heiße Juliane Kreuzeder und bin 14 Jahre alt. Das große Glück meiner Kindheit und Jugend liegt darin, dass ich an einem besonders exponierten Ort umgeben von uralter Kulturlandschaft aufwachsen darf.

Der Garten und die Felder rings um, sind mit ihrer Artenvielfalt ein Archipel für viele Insekten. Dort finden Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und die Honigbiene ausreichend Nektar.

Durch meine Naturbeobachtungen und die Liebe zu meiner Heimat hat sich mit der Zeit in mir der Wunsch manifestiert mehr über die Biene zu erfahren. Ich wollte mir die Zusammenhänge dieses kleinen Ökosystems erschließen, habe bei meinen jetzigen Bienenpaten Robert Wenig und Stefan Pfnür mitgeholfen und so wesentliche Einblicke in die Imkerei erhalten.

So hat sich die Faszination über das Leben der Bienen in mir manifestiert.

Seit dem Frühjahr 2020 bin ich das jüngste von 141 Mitgliedern im Imkerverein Berchtesgaden. Als Jungimkerin werde ich von meinen zwei Imkerpaten auf meinen ersten Imkerschritten begleitet.

Der Verein selbst ist ein kompaktes Gefüge und lebt von der Kooperation der Vereinsmitglieder. Es gibt vielfältige Schulungen, eine Belegstelle für Bienenköniginnen, Sammelbestellungen für Bienenfutter, Honiggläser und notwendige Behandlungsmittel und mit einer Mitgliedschaft besitzt man automatisch eine Imkerhaftpflichtversicherung.

Ich konnte in diesem Jahr viel lernen und meine Erkenntnis ist, dass Imkern mehr ist, als Bienen halten und Honig ernten.

In meinen Anfängerkursen, die ich kostenlos, wie viele andere Imker beim
Verein absolvieren konnte, erlernt ich Wissenswertes über Haltung und Vermehrung von Honigbienen, sowie der Produktion von Honig und anderen Bienenprodukten.

Besonders interessant fand ich das Thema zur Behandlung der für die Bienen sehr gefährlichen Varroamilbe. Dies ist ein wesentlicher Faktor in der Bienenhaltung, der sogar jedem Imker nach der Bienenseuchenverordnung (BienSeuchV) gesetzlich vorgeschrieben ist. Es gibt verschiedenen Behandlungsmittel und man muss sehr genau wissen, wie man diese anwendet.

Schnell merkte ich, dass Imkern auch eine körperlich anstrengende Tätigkeit ist. Die vollen Magazine wiegen bis zu 25 kg.

Wenn auch die Honigernte aufgrund der schlechten und vor allem kalten Frühsommerwitterung nicht besonders reichlich ausfiel, war doch die erste Honigernte ein ganz besonderes prägendes Erlebnis für mich.

Für die Honigernte und die Verarbeitung von Bienenwachs kann ich, wie alle anderen Mitglieder gebürenfrei auf die Gerätschaften des Vereins und des Kreisverbandes zurückgreifen.

Nun freue ich mich auf die Arbeiten mit Dampfwachsschmelzer und die Wachsaufbereitung. Die Gerätschaften hierfür werden ebenfalls vom Verein gestellt. Guten Honig in bester Qualität herzustellen, bedeutet eben viel Handarbeit.

Das nötige Knowhow dafür erhalte ich nicht nur durch die lehrreiche Theorie in den Kursen, sondern vor allem durch die praktische Erfahrung mit meinen Imkerpaten.

Besonders fasziniert hat mich der Besuch der Belegstelle im Nationalpark Berchtesgaden nahe der Raggert Alm, dort erhielt ich Einblicke in die Zucht von Königinnen und den Aufgabenbereich.

Dieses Jahr wurden über 230 junge Bienenköniginnen zur Belegstelle angeliefert, damit sie von reinrassigen Drohnen der acht sanftmütigen und leistungsstarken Zuchtvölker begattet werden. Dabei müssen die speziellen Königinnenkästchen regelmäßig kontrolliert werden ob die Begattung funktioniert hat und die Königin nun Eier legt. Danach kann sie zu ihrem Besitzer zurückkehren und ihre Regentschaft in einem Bienenvolk beginnen. Trotz der schlechten Witterung im Juni und Juli, hat das immerhin bei 77 % der Königinnen funktioniert.

Abschließend kann ich sagen, ich habe viel gelernt und hatte stets viel Freude bei der Arbeit mit den Bienen. Es fühlt sich vor allem gut an Verantwortung zu übernehmen und so einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten zu können.

Durch meine Bienenhaltung möchte ich einen Beitrag zum Schutz der Biene leisten. Getreu dem Motto: Was ich kenne, liebe ich und was ich liebe, schütze ich.

 

 

Bei der Kontrolle des Begattungserfolges auf der Belegstelle. Ein Schutz ist bei den sanfen Bienen nicht notwendig
Eine noch unbegattete Königin in ihrer speziellen Königinnenbox
Ein Sichern der Bienenkästen soll verhindern, dass sie vom Wind umgeworfen werden